Weltrekord muss doch gefeiert werden!

Unser Land schlägt am heutigen Donnerstag alle Rekorde in Sachen Regierungs-verhandlungen. Das muss gefeiert werden, findet die Bevölkerung. Ein großes Volksfest mit Musik, belgischen Fritten und Bier, ist das Rezept, um die politische Sackgasse zu belächeln.

Nach den Wahlen im Juni blieben alle Anläufe für eine neue Regierung und die damit zusammenhängende Staatsreform erfolglos.

Jean-Michel Javaux, der Vorsitzende der französischsprachigen Grünen wies in einer Reaktion auf den Weltrekord darauf hin, dass auch die "olympische Ruhe" der Belgier eine Anerkennung verdiene. "Manche nehmen's mit Humor. In anderen Ländern wäre das wohl nicht der Fall."

An Humor und Belustigung fehlt es am heutigen Donnerstag wohl kaum. Überall im Land finden anläßlich des Weltrekords Veranstaltungen statt. Es ist ein trauriger Rekord, der es eigentlich nicht verdient, gefeiert zu werden. Daran stört sich ein Teil der Bevölkerung jedoch nicht. Der Weltrekord wird gefeiert, allerdings stets mit einem ironischen und teils auch bitteren Unterton.

Volksfest in Gent

Die größte Veranstaltung ist am Donnerstagabend in Gent geplant. Dort findet ein Volksfest mit Auftritten und einer symbolischen Wanderpokalübergabe gegen Mitternacht statt.

Das verspricht zumindest einer der Veranstalter, Edmond Cocuyt Jr. Laut Cocuyt wolle man doch ein paar tausend Menschen zusammenbringen, um gemeinsam zu feiern.

Die Frittenrevolution

Verschiedene Studentenvereinigungen organisieren außerdem witzige Veranstaltungen in Gent, Brüssel, Antwerpen, Löwen, Louvain-La-Neuve und Lüttich unter dem Namen "Frittenrevolution".

So gibt es zum Beispiel in Löwen kostenlos die in Belgien traditionell beliebten Pommes frites für all diejenigen, die am Nachmittag eine Nachricht auf ein Transparent schreiben.

"Nackt sind alle Menschen gleich"

Einige Studenten in Gent wollten auch 249 Menschen für 249 Tage der Verhandlungen ihre Kleider ausziehen lassen, nach dem Motto "nackt sind alle Menschen gleich" und weil die Politiker die Bürger schon die ganze Zeit im Regen stehen lassen.

Letztlich zogen sich ein Dutzend Menschen bis auf ihre Unterwäsche aus, unter ihnen auch die Genter Schauspielerin Marijke Pinoy, die schon an der Protestaktion in der KVS (Koninklijke Vlaamse Schouwburg) in Brüssel teilnahm sowie Sänger Luc De Vos. Sie wickelten sich in die belgische Fahne und tranken Jenever, um warm zu bleiben.

In Lüttich ist ein Flash-Mob geplant und in Antwerpen laufen sich schon die DJs warm.