Internationaler Vermittler für Belgien?

Braucht Belgien einen internationalen Vermittler, um aus der politischen Krise zu finden? Ein Professor der amerikanischen Universität Harvard, der die belgische Politik schon seit Jahren beobachtet und untersucht, sagt eindeutig "ja".

Er denkt zum Beispiel an den ehemaligen finnischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari (kleines Foto), dessen Spezialität schwierige Vermittlerjobs auf internationalem Parkett sind. So vermittelte er in Indonesien, trug wesentlich zur Unabhängigkeit Namibias bei, leitete die Kosovo-Gespräche und gilt als einer der Architekten der Unabhängigkeit der südserbischen Provinz.

Professor Robert Mnookin von der Harvard Law School wohnte 2006 für vier Monate in unserem Land. Als Spezialist für Verhandlungstechniken hatte er damals schon vorausgesehen, dass diese Krise unvermeidbar kommen würde.

"Die Beziehung zwischen Flamen und Wallonen ist wie in einer schlechten Ehe", so der Professor. Aus so einer schlechten Ehe kommt man nur heraus, wenn man das wirklich will. Dieser Wille und die Bereitschaft hierzu fehle aber offenbar.

"Für die Politiker ist das anscheinend noch keine schmerzhafte Sackgasse, denn das Volk geht nicht massenhaft auf die Straße und fordert Veränderungen. Noch nicht."

Um aus dieser Sackgasse zu finden, ist eine dritte Partei nötig, ein internationaler Vermittler.

Professor Robert Mnookin betont: "Ich habe den ehemaligen Präsidenten Finnlands, Ahtisaari, vorgeschlagen. Er wäre ein idealer Vermittler."

Für einen belgischen Vermittler ist der Weg aus der Sackgasse fast unmöglich geworden.

"Der Vorteil eines Vermittlers ohne belgischen politischen Hintergrund ist, dass man jegliche Verhandlungsabwertung vermeiden könnte", so Professor Mnookin noch und er fügt hinzu: "So ein Werteverlust entsteht, wenn man sich in einer Situation befindet, in der jeder Vorschlag, der gemacht wird, von der Gegenpartei grundsätzlich nicht akzeptiert werden kann."