Historischer Politmord wieder aufgerollt

Vor mehr als 60 Jahren wurde der belgische Politiker Julien Lahaut vor seinem Haus in Seraing bei Lüttich von einem bis heute unbekannten Täter erschossen. Die wallonische Landesregierung macht jetzt Zuschüsse frei, um den Fall historisch aufzuarbeiten.

Der Kommunist Julien Lahaut hatte am Tag der Vereidigung von König Baudouin, der am 11. August 1950 den Thron seinem Vater, König Leopold III., nach dessen Verzicht übernahm, mit einigen anderen kommunistischen Abgeordneten während der Zeremonie "Vive la république - Es lebe die Republik!“ gerufen.

Eine Woche später wurde er ermordet. Bis heute ist dieser politische Mord nicht aufgeklärt, allerdings mangelt es seit Jahrzehnten auch nicht an Spekulationen und Verdächtigungen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob Lahaut überhaupt zu denen gehörte, die den anti-monarchistischen Slogan gerufen haben.

Nun soll sich das Studien- und Dokumentationszentrum für Krieg und Zeitgenössische Gesellschaft (SOMA) dem historischen Fall annehmen. Die Erforschung dieses Falls, beziehungsweise die Auflösung desselben, wird nicht erst seit gestern gefordert. Über Spendenaufrufe kamen 50.000 € Forschungsgelder zusammen.

Jetzt gibt der wallonische Landeswissenschaftsminister Jean-Marc Nollet von den frankophonen Grünen Ecolo 150.000 € hinzu, was reichen wird, die erste Phase der Untersuchungen sicher zu stellen. Das Studienzentrum SOMA geht davon aus, dass insgesamt für diesen Forschungsauftrag rund 470.000 € notwendig sein werden.

Schon 2008 stimmte der Senat, die zweite Kammer im belgischen Bundesparlament, einer Resolution zu, nach der die damalige Regierung eine wissenschaftliche Aufklärung des "Falls Lahaut“ auf den Weg bringen sollte. Doch seitdem war in dieser Hinsicht kein Schritt unternommen worden. Die wallonische Landesregierung bringt jetzt neuen Schwung in diese Angelegenheit.