Industrie: Energiepakt mit Electrabel

Die größten Energieverbraucher unseres Landes haben sich zu einem Konsortium mit dem Namen Blue Sky zusammengeschlossen. Gleichzeitig haben sie mit dem belgischen Energieriesen Electrabel ein Abkommen getroffen, um sich langfristig abzusichern. Auch E.on gehört zu den großen Mitspielern am belgischen Markt.

Die in Blue Sky zusammengeschlossenen Großunternehmen investieren gemeinsam in die Kraftwerke von Electrabel und nehmen damit direkten Einfluss auf die Energiepreise, die sie später zu zahlen haben. Insgesamt geht es bei dem Abkommen zwischen den sieben wichtigsten Energieverbrauchern des Landes und Electrabel um eine Kapazitätsanteil von 800 Megawatt Strom. Allerdings müssen diesem Abkommen noch die Wettbewerbshüter zustimmen.

Die sieben Unternehmen, die zu Blue Sky gehören sind Stahlkonzern ArcelorMittal in Belgien, dessen eigenständige Inox-Filiale Aperam Stainless Belgium, Umicore und seine frühere Kupferabteilung Arubis Belgium, Nyrstar Belgium, Solvay und Tessenderlo Chemie. Diese Unternehmen verbrauchen gemeinsam jährlich etwa 11 Terrawatt Elektrizität, was rund 13 % des belgischen Stromverbrauchs ausmacht. BASF im Antwerpener Hafen ist Belgiens größter Einzelverbraucher. Doch dieser Konzern hat sich dem Blue Sky-Verband nicht angeschlossen.

Der Blue Sky-Verband investiert bei Electrabel sowohl in bestehende Kraftwerke, als auch in den Neubau von Energiezentralen. Wie und wo diese Investitionen eingesetzt werden, ist derzeit noch unklar. Auf jeden Fall soll es sich um einen "gesunden“ Mix zwischen Erdgas-, Steinkohle- und Kernkraftwerken handeln. Damit ist der von einer früheren Regierung geplante Ausstieg aus der Atomenergie wohl in weite Ferne gerückt. Die geschäftsführende Regierung, die nach dem Wahlgang vom 13. Juni 2010 immer noch die belgischen Amtsgeschäfte regelt, wird ohnehin keine Maßnahmen in diese Richtung ergreifen können.

E.on hält Bezugsrechte an Electrabel-Kraftwerken

Aktuell hat der deutsche Energiekonzern E.on Ziehungsrechte an den Kernzentralen von Electrabel. Solche Bezugsrechte will sich der Blue Sky-Verband in Belgien durch das Abkommen mit dem hiesigen Elektrizitätsmulti, der zum staatlichen französischen GDF-Suez-Konzern gehört, ebenfalls sichern.

Ende 2008 hatte die EU-Kommission E.on erlaubt, in Belgien zu expandieren. Dies führte zu einem Tausch von Kraftwerken zwischen Electrabel, E.on und EnBW.

Electrabel erhielt dadurch Bezugsrechte und Kraftwerksbeteiligungen mit einer Gesamtkapazität von rund 1 700 Megawatt. Unter anderem sind davon zwei Steinkohlekraftwerke mit über 800 Megawatt Leistung und Strombezugsrechte aus den Kernkraftwerken Krümmel, Gundremmingen und Unterweser im Volumen von rund 700 Megawatt betroffen.

E.on erhält im selben Umfang Kapazitäten in Belgien: Das Steinkohlekraftwerk Langerlo bei Genk in der Provinz Limburg mit 556 Megawatt, das Gaskraftwerk Vilvoorde bei Brüssel mit 385 Megawatt sowie Bezugsrechte aus den Kernkraftwerken Doel 1 und Doel 2 in Mol bei Antwerpen und Tihange 1 in Huy in der Provinz Lüttich mit einem Gesamtvolumen von rund 770 Megawatt.

Damit verschaffte sich E.on seinerzeit nach eigenen Angaben einen Marktanteil an der Stromproduktion in Belgien von 12 % und wurde damit drittgrößter Anbieter in unserem Land. Der Stellenwert von E.on in Belgien wird noch größer, wenn der deutsche Konzern 2014 sein bereits geplantes eigenes 1,1 Gigawatt-Kohlekraftwerk im Hafen von Antwerpen in Betrieb nehmen wird.

Quellen: De Morgen, De Tijd, Handelsblatt, Invest in Flanders