Libyens Öl: Auswirkung auf Belgien

Die heftigen Proteste gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi spitzen sich zu und sorgen für steigende Rohölpreise auf den internationalen Märkten. Schon jetzt werden Diesel und Benzin an der Zapfsäule teuerer. Doch Europa und Belgien drohen mehr Ungemach.

Die meisten europäischen Länder beziehen Öl auch aus Libyen und dies sind bei weitem nicht nur Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Deutschland zum Beispiel bezieht rund 13 % seines Rohölbedarfs aus Libyen. Italien ist in dieser Hinsicht zu mehr als 40 % abhängig von dem ölreichen Wüstenstaat. 20 % von den Erdölimporten Italiens aus Libyen werden für den eigenen Verbrauch genutzt.

Belgien bezieht relativ wenige Erdgas- oder Ölprodukte aus dem unruhigen Land. Unser Land besorgt sich Öl vornehmlich in Russland, im Mittleren Osten und aus der Nordsee.

Und doch leidet Belgien unter den steigenden Ölpreisen, die die Revolution gegen den ewigen Revolutionären Gaddafi ausgelöst hat.

Steigende Ölpreise bremsen die wirtschaftlichen Aktivitäten unseres Landes deutlicher ab, als in anderen EU-Staaten, was unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB) in diesen Tagen einmal mehr feststellen muss. Zum einen werden in einem relativ kleinen und recht monopolistisch aufgestellten Land wie Belgien Preisanstiege sofort an die Verbraucher weitergegeben.

Zum anderen gehören die Preise für fossile Energieprodukte und Kraftstoffe zu jenem Warenkorb, mit dem der Index berechnet wird. Dieser Index hat direkten Einfluss auf die Löhne und Gehälter im Land und sorgt so für Nachteile im internationalen Wettbewerb. Steigende Einkommen sorgen für höhere Produktionskosten und machen so Export und Investitionen international wenig attraktiv.