Plädoyer für ein starkes Brüssel

Acht frankophone Brüsseler haben in einem offenen Brief in zwei belgischen Tageszeitungen den "verkrampften Stillstand und die Kurzsichtigkeit" französischsprachiger Politiker angegriffen. Die acht Prominenten fordern ein starkes zweisprachiges Brüssel.

Philosoph Philippe Van Parys (UCL), Professor Eric Dekeuleneer (ULB), Leichtathletiktrainer Jacques Borlée, der Immobilieninvestor Serge Faultré (Cofinimmo), der Ökonom Etienne de Callatay, Alain Deneef von der zweisprachigen Hauptstadtpartei Pro Bruxsel, die Politologin Fatima Zibouh und der Publizist Henri Golman veröffentlichten in den beiden Tageszeitungen De Standaard und Le Soir einen offenen Brief mit dem Titel "Nicht in unserem Namen“.

Damit nahmen sich die prominenten Brüsseler eine Aktion mehrerer Künstler aus allen Landesteilen zum Vorbild, die vor einigen Wochen unter dem gleichen Motto im Königlichen Flämischen Schauspielhaus (KVS) in der Hauptstadt gegen Nationalismus und Separatismus protestiert hatten.

In ihrem offenen Brief gehen sie mit der vermeintlich überholten Sichtweise der wallonischen und frankophonen Politiker zu Brüssel hart ins Gericht. "Brüssel ist kein Teil der Frankophonie. Wir stellen bei einem Teil der frankophonen Politiker eine überholte und nostalgische Auffassung zu unserer Hauptstadt fest, die von einem unitären Brüssel ausgeht und die von einem Statut mit einer Zugehörigkeit zu zwei Regionen überzeugt ist.“, sagte Philosophieprofessor Philippe Van Parijs zu den Gründen der Initiative am Freitagmorgen im VRT-Radio. Brüssel dürfe nicht ins 20. oder gar ins 19. Jahrhundert zurückgehen.

In den Augen des französischsprachigen Brüsselers Van Parys muss es in erster Linie zu einem besseren Verständnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Hauptstadt kommen: "Für uns ist sehr wichtig, dass alle Generationen in Brüssel Niederländisch sprechen müssen und dass die niederländische Sprache eine zentrale Rolle in der Stadt einnimmt. Das ist kein Traum, sondern dieser Prozess vollzieht sich bereits.“

Ja zur Spaltung von BHV

Für Philippe Van Parys, der an der Katholischen Universität von Neu-Löwen unterrichtet, mag es verständlich sein, dass sich die frankophonen Politiker im Rest des Landes in diesen Fragen zurückhaltend geben. Besonders die Frage der Finanzierung der Hauptstadtregion und die von Flandern geforderte Spaltung des Wahl- und Gerichtsbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde in einen flämischen und einen zweisprachigen Brüsseler Bezirk lässt sie zurückschrecken.

Doch diese flämische Grundforderung findet bei den acht Unterzeichnern des offenen Briefes Unterstützung. Die prominenten Hauptstädter gehen sogar noch weiter und fordern ein Belgien mit vier Regionen, in der Flandern, die Wallonie, Brüssel und die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) zu gleichwertigen Bundesländern werden (wie Karl-Heinz Lambertz, der Ministerpräsident der DG, vor einiger Zeit ebenfalls anregte).

"Wir richten uns gegen jede Form von verkrampftem Nationalismus. Weder die flämischen, noch die frankophonen Politiker sollen in unserem Namen sprechen. Für uns Brüsseler kommt weder eine gemeinschaftlich ausgeführte Verwaltung der anderen Gemeinschaften, noch die Angliederung an die eine oder andere Region in Frage.“, so Van Parys deutlich.