Angeklagter gesteht Überfall, leugnet Mord

Im Prozess über den Mord an der Polizistin Kitty Van Nieuwenhuysen wurden die drei Angeklagten gehört. Einer der drei, Nourredine Cheikhni, hat nun seine Beteiligung an einem früheren gewaltsamen Überfall in Roux gestanden. Er leugnet jedoch weiterhin, etwas mit dem Mord an der Polizistin zu tun zu haben.

Bei dem Überfall, den Nourredine Cheikhni gestanden hat, handelt es sich um einen Überfall auf die  Betreiber einer Wecheselstube. Der Überfall in Roux, in der Nähe von Charleroi, ereignete sich in der Nacht vom 7. auf den 8. November 2007. Dabei drangen drei Männer in das Haus der beiden Wechselagenten ein und bedrohten diese. Sie flohen mit dem Inhalt eines Tresors, Geld und Schmuck.

"Ich gebe zu, ich war bei dem Überfall dabei", gab Cheikhni (Fotos oben und unten) nun zu. Das Geständnis, dass er in den brutalen Überfall verwickelt war, führte zu einiger Aufregung im Gerichtssaal. "Ich wurde kurze Zeit davor verletzt und deshalb wurde mein Blut vor Ort gefunden. Ich war bei dem Überfall unbewaffnet, aber meine beiden Helfer hatten Waffen. Ihre Namen werde ich nicht preis geben, denn ich habe Angst vor Rache an meiner Frau oder an meiner Familie Es handelt sich aber ganz sicher nicht um die beiden Mitangeklagten."

Seinem Anwalt, Laurent Kennes (kleines Foto oben), zufolge habe Cheikhni ihm erzählt, dass ein Jahr nach seiner Verhaftung sein Neffe erschossen wurde.

Bislang hatte Cheikhni stets geleugnet, an dem Überfall in Roux beteiligt gewesen zu sein. "Ich habe das geleugnet, weil ich in dieser Zeit auch zu den Tatbeständen von Lot befragt wurde und ich nicht wollte, dass die Ermittler eine Verbindung zwischen den beiden Taten herstellen. Mit der Tat in Lot habe ich jedenfalls nichts zu tun."

Cheikhni leugnet trotz DNA-Spuren

Cheikhni leugnet also weiterhin, dass er mit dem Tod von Kitty Van Nieuwenhuysen etwas zu tun habe, obwohl DNA-Spuren am Schraubenzieher im Fluchtauto und auf dem Sicherheitsgurt gefunden wurden.

"Als Kfz-Mechaniker komme ich überall hin, vielleicht habe ich den Schraubenzieher oder den Sicherheitsgurt irgendwann einmal - ich weiß nicht, wo - angefasst", sagte Cheikhni zu seiner Verteidigung. "Der Sicherheitsgurt gehört auch nicht zum Volvo, sondern zu einem Autositz, der in verschiedene Autos eingebaut werden kann. Vielleicht bin ich in einem anderen Auto damit in Berührung gekommen."

Auch die Tatsache, dass er vor und nach der Tat in Lot viel mit den beiden anderen Angeklagten telefonierte, beweise ihm zufolge immer noch nicht, dass er in Lot war und die Tat begangen habe.

Cheikhni reiste zwei Tage nach den Taten in Lot nach Marokko, aber auch hierfür hat er eine Erklärung. "Ich musste nach Marokko, um eine Erbschaft zu regeln."

Auch zweiter und dritter Angeklagter leugnen

Auch der zweite Angeklagte leugnet die Taten in Lot. Der 32-jährige Mann sagte, dass er weder mit dem Mord noch mit dem Diebstahl des Volvo oder dem Überfall auf die Wechselagenten in Roux zu tun habe.

Er gab zwar zu, dass er in der Zeit, in der sich die Taten ereigneten, also Ende 2007, regelmäßig Kontakt zu den zwei Mitangeklagten hatte, "aber daran sei doch nichts Merkwürdiges."

Auch er ist kurz nach den Taten ins Ausland gegangen, nämlich in die Türkei. Das sei ihm zufolge jedoch reiner Zufall. "Ich reise mehrere Male im Jahr in die Türkei, meine Eltern wohnen dort die meiste Zeit des Jahres."

Der dritte Angeklagte leugnet ebenfalls, etwas mit den Taten in Lot zu tun zu haben.