Die Frauenquote wird heftig diskutiert

"Eine Beleidigung für Frauen und Betriebe" nannte die N-VA-Politikerin Lisbeth Homans die geplante gesetzliche Festlegung von Frauenquoten für Staatsbetriebe und börsennotierte Unternehmen. Die Ansichten zu diesem Thema sind geteilt.

Flanderns Nationaldemokraten N-VA und die flämischen Liberalen Open VLD lehnen die am Dienstag vom parlamentarischen Ausschuss für Handelsrecht beschlossenen Frauenquoten für staatliche Betriebe und börsennotierte Unternehmen rundweg ab. Die N-VA will die Gespräche zu diesem Thema im Plenum der Kammer und im Senat, der zweiten Kammer im belgischen Bundesparlament, so lange wie möglich hinauszögern, wie deren Abgeordnete Lisbeth Homans angab:

"Wir wollen so deutlich machen, dass wir mit der Einführung einer solchen Quote nicht einverstanden sind. Wir sind davon überzeugt, dass die Unternehmen alles mögliche tun, um mehr Frauen Karriere machen zu lassen. Überdies finde ich dieses Vorhaben sowohl für die Frauen, als auch für die Unternehmen beleidigend. Hier fragt man sich, ob sie wegen ihrer Fähigkeiten in einem Vorstand sitzen oder nur, weil sie eine Frau sind.“

Nach Ansicht von Lisbeth Homans solle sich die Politik nicht mit solchen Themen und Eingriffen in die Freiheit der Unternehmen befassen. Sie solle vielmehr dafür sorgen, dass es einen Rahmen gibt, der für die Unternehmen und für deren Beschäftigte - auch die weiblichen und auch die Vorstandsmitglieder - familienfreundlicher ist.

So oder so ähnlich reagieren auch die verschiedenen Arbeitgeberverbände in Bund und Ländern. In der Politik ist die Meinung dazu sehr geteilt und geht quer durch die Parteienlandschaft von krasser Ablehnung bis hin zu Jubelrufen.
 

Frauenquoten in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft

Die Einführung der Frauenquote in der freien Wirtschaft und im Bereich der staatlichen Unternehmen soll in mehreren Stufen erfolgen. Große börsennotierte Unternehmen in Belgien, zum Beispiel Banken, wie Dexia oder KBC, haben fünf Jahre Zeit, um in ihre Vorstände ein Drittel Frauen zu integrieren.

Kleinere oder mittelständische Unternehmen, die ebenfalls an der Börse notiert sind, erhalten für diesen Eingriff sieben Jahre Zeit.

Gelingt dies nicht, erfolgen Sanktionen von Seiten des Gesetzgebers. Dann muss jede zu erfolgende Neubesetzung eines Vorstandssitzes automatisch mit einer Frau besetzt werden.

Die belgischen Staatsunternehmen, zum Beispiel die Bahngesellschaft NMBS/SNCB, der Telekommulti Belgacom oder die neu strukturierte Post, die heute Bpost heißt, müssen schon ab dem kommenden Jahr ein Drittel Frauen in ihre Vorstände integrieren. Bei Belgacom ist dies übrigens schon seit einiger Zeit der Fall.