Streiks behinderten öffentlichen Nahverkehr

Die sozialistischen und die liberalen Gewerkschaften äußerten mit einem 24 Stundenstreik ihren Unmut gegen das Rahmenabkommen für die Beschäftigten der Privatwirtschaft. Unter diesem Streik hatten vor allem die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zu leiden, denn hier wurden der Streikaufruf stark befolgt.

In fast ganz Belgien war der öffentliche Nahverkehr durch die Arbeitsniederlegung bis zum Abend stark eingeschränkt. Die Busse und Straßenbahnen der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn blieben in den meisten Provinzen des Bundeslandes in den Depots. Nur in der Provinz Limburg und in den so genannten Flämischen Ardennen fuhren Busse und Bahnen weitgehend normal.

In Brüssel bediente die regionale Verkehrsgesellschaft MIVB/STIB lediglich die Metrolinien und die wichtige Nordsüdachse in der Innenstadt und dies auch nur mit eingeschränktem Fahrplan.

In Wallonien und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft lag der öffentliche Nahverkehr an diesem Freitag so gut wie völlig still. Die Beschäftigten der regionalen Verkehrsgesellschaft TEC befolgten den Streikaufruf ihrer Gewerkschaften in weiten Teilen des Landes. Nur in Charleroi fuhren einige wenige Metrozüge und die Provinz Wallonisch-Brabant gewährleistet Busverbindungen in eingeschränktem Umfang.

Die Streiks waren länger im Voraus angekündigt und viele Arbeitnehmer hatten angesichts der am Samstag beginnenden Krokusferien offenbar einen weiteren freien Tag genommen. So blieb ein Verkehrschaos zum Beispiel im Ballungsraum Brüssel - trotz Filterblockaden von Streikposten an neuralgischen Verkehrspunkten - weitgehend aus. Die Züge der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB fuhren am Freitag fast nach Fahrplan, doch blieben hier selbst in der Stoßzeit viele Sitzplätze frei.

Keine einheitliche Gewerkschaftsfront

Die sozialistischen und die liberalen Gewerkschaften lehnen das aktuelle Rahmentarifabkommen ab, da es ihnen nicht weit genug geht. Vor allem die sehr geringen Spielräume für Lohnerhöhungen im Zeitraum 2011-2012 sorgen für Unmut. Die christlichen Gewerkschaften beteiligten sich nicht an dem Streik, denn offenbar zeigte sich an der Basis kaum Bereitschaft dazu.

Belgiens scheidender Premierminister Yves Leterme (CD&V) hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, dass das Rahmentarifabkommen durchgeführt werde. Nach dem sich die Gewerkschaftsbasis im Gegensatz zu ihren Verhandlungsführern gegen das Abkommen ausgesprochen hatten, übernahm die geschäftsführende Bundesregierung die Verantwortung von den Tarifpartnern, führte Nachbesserungen durch und machte den Weg für die Umsetzung frei.