Polizeichef Koekelberg tritt zurück

Generalkommissar Fernand Koekelberg, der Chef der belgischen Bundespolizei, ist am Sonntag zurückgetreten. Koekelberg war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, als bekannt wurde, dass eine Dienstreise nach Katar dreimal teurer war, als erlaubt.

Fernand Koekelberg hatte seinen Rücktritt am Sonntag selbst bekanntgegeben. Er sprach zuerst mit den scheidenden Ministern für Inneres und Justiz, Annemie Turtelboom (Open VLD) und Stefaan De Clerck (CD&V).

Sein Nachfolger ist schon bestimmt. Hauptkommissar Paul Van Thielen, der Generalkommissar der Gerichtspolizei, wird sein Amt übernehmen. Van Thielen fungierte in der Vergangenheit als Vertreter Koekelbergs.

Koekelberg nannte als Grund für seinen Rücktritt die "wiederholten Angriffe“ auf seine Person, die er in den vergangenen vier Jahren erdulden musste.

Diese hätten auf der einen Seite seine Ehre verletzt und zum anderen auch sein Image als Polizeichef beschädigt. Er habe sein Amt nicht mehr optimal ausführen können. Zudem habe ihn ein persönliches Drama, der Tod seiner jüngsten Tochter vor vier Monaten, sehr mitgenommen.

Fernand Koekelberg hat sich in der Vergangenheit als führender Polizist verdient gemacht. So hat er die Polizeireform in die Wege geleitet, als die verschiedenen Einheiten von Gendarmerie und Polizei nach den Ermittlungspannen im Fall des Kinderschänders Marc Dutroux vereinigt wurden.

Hohe Kosten, tiefer Fall

Doch im Laufe der Zeit häufte sich auch die Kritik gegen den führenden Polizeibeamten. Dabei ging es unter anderem um die umstrittene Beförderung seiner beiden Sekretärinnen, die von ihrer Ausbildung her für ihre Verantwortung her nicht geeignet waren.

Zuletzt viel er unangenehm auf, als eine Dienstreise nach Katar, wo er sich für ein Amt bei der Interpol bewerben sollte, kostenmäßig ausuferte. Das Innenministerium gestand ihm Reisekosten von 35.000 € zu, doch er ließ sich die Sache fast 100.000 € kosten. Er reiste in Begleitung einer 18köpfigen Gruppe und transportierte Werbegeschenke in eigens dazu angeschafften Luxuskoffern.

Als in den vergangenen Tagen auch noch bekannt wurde, dass er hohe Restaurantrechnungen und Einkäufe in einem Lebensmittelgeschäft über sein Amt angerechnet hatte, lief das Fass über und Belgiens scheidende Innenministerin Annemie Turtelboom kündigte noch am Sonntagmittag in einer VRT-Debatte im Fernsehen an, die Buchhaltung der Verwaltung der Bundespolizei untersuchen zu lassen.

Koekelberg, der sich übrigens im Zuge der Meldungen zur seiner Katar-Reise krank gemeldet hatte, trat noch am Sonntagnachmittag zurück.