"Belgien soll Atomlaufzeiten verlängern"

Die internationale Energieagentur IEA rät Belgien, seine Atomkraftwerke nicht bis 2025 abzuschalten. Das steht in einem Bericht der Agentur zur Lage auf dem belgischen Energiemarkt.

Der IEA zufolge würde die Schließung der Atomkraftwerke hierzulande zu Engpässen bei der Stromversorgung führen. Eine Folge wären stark steigende Energiepreise. Außerdem bestünde das Risiko, dass Belgien in eine zu starke Abhängigkeit von ausländischen Stromanbietern gerate. Das Risiko von Stromausfällen bei großer Nachfrage würde auch zunehmen und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes könne behindert werden.

Im Falle einer Schließung der Atomkraftwerke müsste Belgien  nämlich wieder auf bisherige Energiegewinnungsmethoden  wie Gas zurückgreifen oder den Strom importieren.

Die IEA betont deshalb, dass es möglich sein müsste, die belgischen Atomkraftwerke auch nach den gesetzlich festgehaltenen 40 Jahren Laufzeit sicher und zuverlässig betreiben zu können. Damit stärkt die IEA den Standpunkt von Premierminister Yves Leterme, der Anfang der Woche erklärt hatte, dass die Atomkraftwerke für Belgien unverzichtbar seien.

Het Laatste Nieuws schreibt, Belgien habe wohl kaum eine andere Wahl, als dem Rat der internationalen Energieagentur zu folgen und die Laufzeit seiner Kernkraftwerke über 2025 hinaus zu verlängern. Mit der wenigen Sonnen- und Windenergie werde man den Energiebedarf des Landes sicher nicht decken können.

Energieminister Paul Magnette verlangt eine Prüfung des Berichts der Energieagentur.

Zwei Kernkraftwerke, sieben Reaktoren

In Belgien stehen zwei Kernkraftwerke, eines in Doel und eines in Tihange. In Doel laufen vier Reaktoren. Die ältesten, Doel 1 und Doel 2, wurden 1975 angeschaltet. Tihange zählt drei Reaktoren. Auch hier ist der älteste Reaktor, Tihange 1, 1975 in Betrieb genommen worden.

Die sieben Reaktoren produzierten 2007 über die Hälfte unseres Stromes. 2003 wurde ein Gesetz verabschiedet, nach dem die Laufzeit der Atomkraftwerke auf 40 Jahre begrenzt wird. Dadurch müssen 2015 drei Reaktoren schließen, die restlichen vier sollen gegen 2025 abgeschaltet werden.

2009 war sich die damalige Regierung einig, die Laufzeit der ältesten Reaktoren um zehn Jahre zu verlängern. Das Parlament hat diese Einigung jedoch nie bekräftigt.