Belgischer Augenzeuge in Japan

Dirk De Ruyver ist ein flämischer Wirtschaftsrepräsentant in Tokio. Er arbeitet bei der belgischen Botschaft dort und wurde Augenzeuge des Erdbebens in Japan.

Zum Zeitpunkt des ersten Erdbebens um 14.45 Uhr japanischer Zeit (6.45 Uhr belgischer Zeit), befand ich mich in einem relativ modernen Bürogebäude in Otemachi, unweit des Tokio-Bahnhofs. Ich war dort zu einer Arbeitssitzung zusammen mit zwei meiner Kollegen.

Während des Meetings wurde plötzlich das Warnsystem im Gebäude ausgelöst (es ertönte eine Stimme auf Japanisch). Das System hatte die ersten Wellen des bevorstehnden Erdbebens registriert. Es schlug Alarm, warnte vor einem schweren Erdbeben und forderte die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Meine japanischen Gesprächspartner wussten nicht gleich, was sie tun sollten bis das erste Beben zu spüren war. Daraufhin entschieden sich einige unter uns, zu aller Sicherheit unter die Tische zu kriechen. Als das Erdbeben etwas nachließ, kamen wir wieder unter unseren Tischen hervor.

Das Gebäude blieb verschont. Es war ja auch ein relativ modernes Gebäude. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße sahen wir, wie ein anderes modernes Bürogebäude evakuiert wurde.

Letztlich beschlossen wir, das Meeting zu vertagen und zur belgischen Botschaft zurückzufahren. Da die U-Bahnen und Züge nicht mehr fuhren, nahmen wir ein Taxi. Da die Autobahnen aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden, sahen wir immer mehr Autoschlangen, die sich in der Stadt bildeten. Immer mehr Gebäude wurden evakuiert und folglich kamen stets mehr Menschen auf die Straße. Trotzdem gerieten wir noch relativ schnell zur Botschaft. Unterwegs haben wir keine Schäden an Gebäuden feststellen können.

Da die Züge nicht mehr fahren, droht sich die Hauptverkehrszeit am Abend in ein Chaos zu verwandeln. Viele Menschen arbeiten in Tokio, wohnen jedoch in den umliegenden Städten (einige Kilometer weiter weg).

Eine unserer Assistentinnen ist nicht zurückgekommen. Sie befand sich in einer nahe gelegenen Station (Yotsuya). Ihr zufolge sei es unmöglich gewesen, noch ein Taxi zu bekommen. Viele Menschen liefen deshalb zu Fuß nach Hause. Für diejenigen, die in Tokio selbst wohnen, geht das vielleicht, aber für diejenigen, die in den benachbarten Städten wohnen, ist das keine Option.

Ich wohne seit 20 Jahren in Japan, aber das war eindeutig das schwerste und längste Erdbeben, das ich je mitgemacht habe, beendet Dirk De Ruyver seinen Augenzeugenbericht.