Stresstests für Belgiens Kernzentralen

Die geschäftsführende belgische Bundesregierung hat am Dienstagabend beschlossen, alle Kernkraftwerke des Landes einem Stresstest zu unterziehen. Vorher soll über eine Verlängerung der Laufzeiten nicht mehr debattiert werden.

Unterdessen zeigen Energieminister Paul Magnette (PS) und Innenministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) wenig Verständnis für den Entschluss der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sieben vor 1980 in Betrieb gegangene Atommeiler vom Netz zu nehmen.

Beide sind der Ansicht, dass dadurch die Stromversorgung unseres Landes benachteiligt wird, denn Belgien bezieht große Mengen an Elektrizität aus Deutschland.

Diese Fakten legen eine Hypothek auf die Debatten, um die drei ältesten vor 1975 in Betrieb genommenen belgischen Atommeiler. Deren Laufzeit soll um 10 Jahre verlängert werden, wie 2009 mit dem Energiemulti Electrabel vereinbart wurde.

Doch ein entsprechendes Gesetz hierzu wurde noch nicht erlassen und die Stromhersteller drängen auf eine Entscheidung.

Eine eventuelle Verlängerung der Laufzeiten erfordert hohe Investitionen und eine Bestellung von Bauteilen um Jahre voraus. Einige der hier erforderlichen Bauteile werden offenbar ausschließlich von japanischen Unternehmen hergestellt.

Insgesamt verfügt Belgien über zwei Atomkraftwerke, eines in Huy in der Provinz Lüttich und eines in Doel bei Antwerpen. Zusammen stellen diese Kraftwerke Strom in sieben Meilern her.

Das Kernkabinett der scheidenden belgischen Regierung traf sich am Dienstagabend mit Energieminister Magnette und Innenministerin Turtelboom, um über die Ereignisse in Japan zu beugen. Dabei wurde beschlossen, auf jeden Fall alle Atomkraftwerke des Landes einem Stresstest zu unterziehen.

Dieser Test soll von unabhängigen internationalen Experten durchgeführt werden und wird auf Basis der Methodologie der EU vorgenommen. Die Resultate sollen bis Ende 2011 vorliegen und zu einer "objektiven“ Debatte führen, wie Energieminister Magnette in einer TV-Debatte deutlich machte.

Diese Sicherheitstests (Flugzeugabstürze, Terroranschläge, technisches Versagen usw.) werden auf jeden Fall durchgeführt, auch wenn die Europäische Union kein gemeinsames Vorgehen auf den Weg bringen sollte.