Tiefe Kluft zwischen Flamen und Wallonen

"Flamen sind Bauern, die zwar französisch können aber nicht sprechen wollen." "Wallonen sind arrogante Lebenskünstler." So kleinkariert scheinen die Belgier übereinander zu denken, wie eine Universitätsstudie belegt.

Die Professoren Mark Elchardus von der Freien Universität Brüssel (VUB) und Olivier Servais von der Katholischen Universität Louvain-La-Neuve (UCL) befragten eine Gruppe von 70 Personen eingehend nach ihren Befindlichkeiten, wenn es um Bürger der anderen großen Sprachengruppe geht.

Dabei kam heraus, dass sich Flamen und Wallonen gegenseitig in Form von Klischees betrachten. Dabei sind die negativen Ansichten wesentlich ausgeprägter, als die positiven. Diese Feststellung widerlegt die bisher gerne angeführte Argumentation, dass die trennenden Sprach- und Auffassungsunterschiede keine herbei geredeten Phänomene von Seiten der Politiker oder der Medien sind.

Nach Ansicht von Prof. Elchardus sind es die Menschen selbst, die so klischeehaft denken. Seiner Ansicht nach handelt es sich dabei um tiefe Gegensätze, die in der Geschichte der Belgier fest verankert sind.

Die Studie unter dem Titel "Ein Land, zwei Sprachen“ soll keine quantitative Umfrage sein, sondern basiert auf Gesprächen und Befragungen eines Panels von 70 Personen, das gleichwertig zwischen Männern und Frauen, zwischen Flamen und Wallonen und zwischen allen Altersgruppen in verschiedenen gesellschaftlichen Schichten aufgeteilt war. In verschiedenen Gesprächsrunden wurden bestimmte Themen tiefgreifend behandelt und die Teilnehmer konnten auch ihre persönlichen Geschichten einbringen.

Auch und gerade deshalb gilt die Studie, eine Auftragsarbeit für die Stiftung P&V (die sich mit der gesellschaftlichen Engagement der Jugend beschäftigt), als repräsentativ.