"Weiße Wut" macht sich Luft

Tausende Arbeitnehmer des Pflegesektors, auch "weißer Sektor" genannt, sind in der Brüsseler Innenstadt auf die Straße gegangen. Sie fordern von der belgischen und der flämischen Regierung ein Fünfjahresabkommen über bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen.

Die belgische Regierung hat mit den Gewerkschaften für dieses Jahr ein Mini-Abkommen für Krankenhäuser und Altenheime geschlossen mit einem Maßnahmepaket für 50 Millionen Euro.

Das Abkommen gilt aber nur für dieses Jahr. Die Arbeitnehmer fordern hingegen ein Abkommen für 2011 bis einschließlich 2015. Aufgrund der politischen Krise muss abgewartet werden, bis eine vollwertige Regierung ein Tarifabkommen bis 2015 abschließen kann.

Die Verhandlungen mit der flämischen Regierung über bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen im Pflegesektor (zum Beispiel Behindertenbetreuung und Kinderbetreuung) sind auf Eis gelegt worden.

Den Gewerkschaften zufolge lege die Regierung viel zu wenig Geld auf den Tisch, um so ein Abkommen zu ermöglichen.

Die Arbeitnehmer fordern eine bessere Bezahlung für unregelmäßige Arbeitszeiten, zum Beispiel Prämien für Abend- und Frühschichten sowie Nachtschichten und Wochenenddienste. Außerdem wollen sie
ein 13. Monatsgehalt und zusätzliche Urlaubstage.

Die Demonstranten fordern auch mehr Möglichkeiten, um Berufs- und Privatleben besser kombinieren zu können: Mehr Möglichkeiten für den Elternschaftsurlaub, für freie Tage, wenn die Kinder krank sind und eine Möglichkeit, in den großen Ferien mindestens 3 Wochen am Stück Urlaub nehmen zu dürfen.

In den Nonprofit-Sektoren auf flämischer und auf föderaler Ebene arbeiten insgesamt rund 450.000 Menschen.

Nach dem Motto "Stecke einmal einen Tag lang in unserer Haut" waren über 10.000 Gewerkschaftsmitglieder am Dienstagmorgen um 10.30 Uhr in den Brüsseler Straßen  zusammen gekommen.

Sektor braucht händeringend Mitarbeiter

Neben den Forderungen der derzeit Beschäftigten wollen die Arbeitnehmer auch Maßnahmen, um neues Personal einstellen zu können. Da der Arbeitsdruck enorm hoch ist, wollen sie die Maßnahmen jetzt und in unmittelbarer Zukunft. Gegen 2014 werde es 120.000 Mitarbeiter in diesem Sektor zu wenig geben, heißt es.

Aufgrund der Überalterung der Bevölkerung würde die Zahl der Patienten stets zunehmen, die häusliche Pflege schwieriger und Pflegeplätze für ältere, bedürftige Menschen würden stets knapper. Im Pflegesektor würden jede Menge Arbeitskräfte fehlen.

Man müsse die Löhne und Arbeitsbedingungen verbessern, um mehr Beschäftigte in den Sektor zu locken, so der Sektor noch.