Trotz Bedenken: Laurent bereist Kongo

Prinz Laurent hat trotz heftiger Bedenken auf eigene Faust eine umstrittene Reise in die ehemalige belgische Kolonie Kongo angetreten. Sowohl sein Vater, König Albert II., als auch Premierminister Leterme hatten aus politischen Gründen davon abgeraten. Jetzt steht die Dotation des Prinzen wieder zur Debatte.

Vor kurzem ist Prinz Laurent auf Besuch in der ehemaligen belgischen Kolonie Kongo gewesen. Er trat diese Reise trotz der ablehnenden Haltung des Königshauses und der geschäftsführenden belgischen Regierung an. Wie die Tageszeitungen De Morgen und La Libre Belgique am Mittwoch berichtet, soll ihm Premierminister Yves Leterme (CD&V) sogar per Brief von seinem Vorhaben abgeraten haben.

Auch des Königs Kabinettschef Jacques van Ypersele und Ghislain D’hoop, der Leiter des Bereichs Auslandsbeziehungen des Kabinetts von König Albert II. konnten den umtriebigen Prinzen nicht von seinem Vorhaben abraten. Mit den frankophonen Politikern Herman De Croo (Open VLD) und Armand De Decker (MR) hatte der Prinz für sein Vorhaben jedoch auch Fürsprecher.

Laurent, der jüngste Sohn von Albert und Paola, das Enfant Terrible der königlichen Familie, bereiste den Kongo aus seinem persönlichen Interesse für die Themen Nachhaltige Entwicklung, Entwicklungshilfe und Naturschutz. Ob er dabei auch Politiker der Regierung der Demokratischen Republik Kongo traf, ist noch unklar. Sicher scheint jedoch, dass er Vertreter der Opposition des Landes getroffen hat. Er wurde zumindest von einem persönlichen Berater begleitet, der auch Oppositionsführer Jean-Pierre Bemba zur Seite steht.

Das Verhältnis zwischen Belgien und seiner früheren Kolonie Kongo ist seit langer Zeit sehr gespannt. Im vergangenen Jahr wurde lang und breit darüber diskutiert, ob König Albert II. in die kongolesische Hauptstadt Kinshasa reisen sollte, um dort an den Feiern zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit des zentralafrikanischen Landes teilzunehmen. Diese Reise fand dann doch die Zustimmung der belgischen Bundesregierung.

Eskapaden und Dotationen

Durch seine neuerlichen Eskapaden, die nicht zum ersten Mal für Bedenken in der öffentlichen Meinung im Land sorgen, flackert auch wieder die Diskussion zu den hohen finanziellen Dotationen für Prinz Laurent auf. Jährlich stehen dem Prinzen 312.000 € an steuerfreien Zuwendungen von Seiten des belgischen Staates zu. Jetzt fordern wieder einige führende Politiker des Landes, diese Dotationen zu überdenken.

Belgiens scheidender Außenminister Steven Vanackere sagte gegenüber der VRT, dass sich der Prinz entscheiden müsse. Wenn er lieber ein einfacher Zivilist sein wolle, der über seine eigene Freiheit selber entscheiden kann, dann müsse seine Rolle überdacht werden: "Man kann nicht beides haben. Ich glaube, dass wir hier in den kommenden Tagen zweifellos noch weiter drauf eingehen müssen.“

Premierminister Yves Leterme (CD&V) reagierte in Berlin auf die Situation und nannte Laurents Kongo-Visite eine "Unvorsichtigkeit" und kündigte an, sich mit dem Prinzen unterhalten zu wollen.