Missbrauchsausschuss: Empfehlungen an Kirche

Der Parlamentarische Sonderausschuss, der sexuellen Missbrauch in und außerhalb der Kirche untersucht, hat seinen Abschlussbericht vorgelegt. Dieser enthält zahlreiche Schlussfolgerungen und rund 70 Empfehlungen.

Auffallend in dem etwa 400 Seiten umfassenden Bericht ist die Empfehlung, die Verjährungsfrist für Sexualdelikte von derzeit zehn auf künftig fünfzehn Jahre zu verlängern. Die Verjährungsfrist läuft, sobald das Missbrauchsopfer volljährig ist.

Für den Dekan von Löwen, Rik Degent, könne die Verjährungsfrist ruhig ganz abgeschafft werden. "Ich finde, dass bei so schweren Taten keine Verjährung eintreten sollte. Dann gibt es auch beim Zugeständnis eines moralischen Schadensersatzes hinterher für die Opfer keine Probleme mehr", sagte der Dekan im VRT-Radio.

Die Bischöfe ihrerseits sagen, dass sie sich über die Empfehlungen des Ausschusses beugen werden.

Festgehalten wurde im Abschlussbericht auch die Einrichtung eines kirchlichen Vermittlungsausschusses, der über mögliche Entschädigungen von Missbrauchsopfern entscheiden soll.

"Wir laden die Kirche ein, daran mit zu arbeiten", betonte der Parlamentarier Raf Terwingen (CD&V). Die Kirche kann Geld für den Schadensersatz zur Verfügung stellen.

In den Abschlussbericht wurde auch der Vorschlag eines kollektiven Verfahrens aufgenommen, bei dem Opferorganisationen Beistand leisten dürfen. Eine weitere Empfehlung des Ausschusses ist, dass auch hochrangige Kirchenmänner, selbst wenn sie selber keinen Missbrauch begangen haben, für die Taten der ihnen unterstehenden Priester zur Verantwortung gezogen werden können.

Daneben soll das Beichtgeheimnis flexibler werden, damit bestimmte Fälle an die Justiz weitergeleitet werden können. Die Pflicht, solche Fälle zu melden, wird nicht in dem Bericht verlangt. Außerdem enthält der Bericht Empfehlungen für wissenschaftliche Ermittlungen und zur Vorbeugung. Die restlichen Ratschläge behandeln eher Gutachten der Polizei und der Gerichte.

Die Sitzungen zum Abschlussbericht hatten vergangen Freitag begonnen. Der Bericht wurde am Mittwoch einstimmig angenommen. Die Parlamentarier sind erleichtert. "Das ist keine Abrechnung mit der Kirche. Von Inquisition kann keine Rede sein", sagte der Abgeordnete Siegfried Bracke (N-VA).

Am 6. April soll über den Abschlussbericht in einer Plenarsitzung debattiert werden.

"Wir müssen wachsam bleiben"

Lieve Halsberghe von SNAP Belgium, einer Vereinigung für Opfer, ist zufrieden mit dem Abschlussbericht: "Ich habe den Eindruck, dass hier zuverlässig gearbeitet wurde. Das ist schon einmal ein Schritt nach vorne, aber der Weg, der noch gegangen werden muss, ist weit."

Sie hofft, dass alle Empfehlungen auch in die Praxis umgesetzt werden. Um das zu überwachen, wird auch laut Bericht ein "Folgeausschuss" eingerichtet. "Wir müssen auch weiterhin wachsam bleiben, damit so etwas nicht mehr passieren kann", so Halsberghe.