Siemens: Millionenstrafe an die Staatsbahn

Der Siemens-Konzern muss eine hohe Vertragsstrafe an die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB überweisen. Der Konzern schafft es nicht, einen Auftrag zur Lieferung von 120 neuen Mehrsystem-Lokomotiven zu bewerkstelligen.

Der deutsche Siemens-Konzern muss eine Vertragsstrafe über 21,2 Millionen € an die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB entrichten. Der Konzern schafft es nicht, 120 neue Elektrolokomotiven frist- und auftragsgerecht zu liefern.

Die Maschinen vom Typ 18 (großes Foto) gehören zur neuesten Generation der so genannten Eurosprinter 3, auch Taurus genannt, sollten seit rund zwei Jahren zur Verfügung stehen, doch immer noch entsprechen sie nicht den entsprechenden Auftrags- und Lastenheften. Der Wert des 2006 Gesamtauftrags beläuft sich auf 440 Millionen €. Die Auslieferung der Maschinen sollte im Januar 2009 beginnen und bis Juni 2011 abgeschlossen sein.

Wie Belgiens geschäftsführende Verkehrsministerin Inge Vervotte gegenüber den Medien angab, liegen die Gründe der sich nach hinten verschiebenden Auslieferung in bestimmten Gerätezulassungen in den Mehrsystem-Lokomotiven. Mehrere Test der Maschinen auf belgischen Gleisen konnten bisher nicht zufriedenstellen.

Miete von Ersatzmaschinen

Um den Fahrzeugengpass durch die sich hinziehende Lieferung der Baureihe 18 aufzufangen, mietet die NMBS/SNCB derzeit Maschinen aus dem Mietlokpool des Siemens-Konkurrenten Bombardier. Dies kostet die belgische Bahn monatlich offenbar rund 31.000 € Miete pro Fahrzeug. Siemens stellte die Baureihe 18 2008 auf der Bahnfachmesse InnoTrans in Berlin vor.

Die Fahrzeuge mit 5.500 kW und einer Geschwindigkeit von 200 km/h sollen sowohl auf den belgischen Hochgeschwindigkeitslinien, als auch auf konventionellen Strecken eingesetzt werden, doch die meisten der bisher im Siemens-Werk in München gebauten Loks dieser Baureihe warten auf den Gleisen eines ehemaligen Militärstandorts, die der Konzern zu diesem Zweck angemietet hat, auf eine ungewisse Zukunft.