Solvay übernimmt den Rivalen Rhodia

Der belgische Chemiekonzern Solvay übernimmt seinen französischen Konkurrenten Rhodia. Die Übernahme ist ein recht spektakuläres Unterfangen. Solvay zahl über 3 Milliarden € und einen Aufschlag von 50 % über dem Börsenkurs.

Solvay bietet für die Rhodia-Aktien 31,60 € pro Papier, was einem Aufschlag um 50 % über dem aktuellen Börsenwert liegt. Damit beläuft sich der Übernahmepreis auf 3,4 Milliarden €.

Das Rhodia-Direktorium stimmte nach Angaben aus Börsenkreisen der Übernahme durch den belgischen Konkurrenten einstimmig zu. Am Sonntag unterzeichneten die beiden Chemiegiganten bereits einen Rahmenvertrag.

Die Aktienmärkte reagierten auf diese Übernahme sehr positiv und die Kurse der ehemaligen Konkurrenten schnellten am Montag in die Höhe.

Die Übernahme soll bis August 2011 abgerundet sein. Rhodia-Vorstandschef Jean-Pierre Clamadieu wird wohl in den Solvay-Vorstand nachrücken. Der gesamte Vorgang macht aus Solvay den Weltmarktführer im Bereich Spezialchemie.

Der Deal wird nach Solvay-Angaben wohl neue Märkte bringen. Der belgische Konzern legt seinen Fokus in Zukunft auch auf die Schwellenländer. Auch Rhodia bezeichnete den Vorgang als "fantastische Möglichkeit“

Rhodia ist auf Silizium und seltene Erden spezialisiert und Solvay konzentrierte sichbisher auf Polymere, Soda und Wasserstoffperoxyd.

Zwei Pfeiler der Chemie-Industrie

Die Chemiegiganten Solvay und Rhodia sind beide Industriegruppen, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Rhodia war ursprünglich die Chemiefiliale der Pharmagruppe Rhône-Poulinc, die 1998 eigenständig wurde. Rhodia setzt derzeit mit 14.000 Mitarbeitern jährlich rund 5,2 Milliarden € um und stellt Bauteile für die Auto- und die Elektronikindustrie und Aromen für Lebensmittel- und Parfumhersteller. Nebenbei arbeitet Rhodia im Bereich seltene Metalle.

Die Solvay S.A. beschäftigt rund 28.000 Mitarbeiter in Filialen in 50 Ländern und setzte 2008 rund 9,5 Milliarden € um. Der Hauptsitz der deutschen Tochtergesellschaft Solvay Gmbh liegt in Hannover. Die Gruppe ist international in den Bereichen Chemie und Pharma tätig und eröffnete ihr erstes Werk 1863 in Charleroi. Der Anfang wurde mit dem so genannten Ammoniak-Soda-Verfahren gemacht, das auch unter der Bezeichnung Solvay-Verfahren um die Welt ging.