Keine Erholung für Afghanistan-Soldaten

Belgiens scheidender Verteidigungsminister Pieter De Crem (CD&V) hat zum wiederholten Mal Soldaten, die von einem Einsatz in Afghanistan heimkehren, den von Stabchef Charles-Henri Delcour verordneten Kurzurlaub untersagt.

Die belgische Armee hatte in einem Hotel auf Zypern Zimmer für etwa 100 Soldaten reserviert, die im Juni von einem Einsatz in Afghanistan heimkehren.

Dort sollten sie sich drei Tage lang von den Strapazen und vom Stress dieses Einsatzes erholen und sich in Ruhe auf die Rückkehr in das Alltagsgeschehen in der Heimat vorbereiten.

Doch Verteidigungsminister De Crem (Foto oben - Truppenbesuch in Kunduz) hält ein solches Unterfangen für überflüssig und untersagte den Kurzurlaub auf Zypern, wie die flämische Tageszeitung De Standaard am Montag meldete.

Bereits im Oktober im vergangenen Jahr hatte der flämische Christdemokrat einen solchen Entspannungsurlaub für heimkehrende Afghanistan-Soldaten verboten und durchkreuzte damit schon einmal ähnliche Pläne von Stabchef Charles-Henri Delcour.

Verteidigungsminister De Crem gab an zu wissen, wie problematisch der Übergang von einem gefährlichen Auslandseinsatz ins Leben in der Heimat sei. Doch könne die Verarbeitung des Erlebten auch in der belgischen Heimat erfolgen.

Die Armeegewerkschaft ist sauer

VSOA, die größte Soldatengewerkschaft in Belgien, reagierte verärgert auf den Entschluss des Verteidigungsministers, den geplanten Kurzurlaub der Afghanistan-Soldaten zu streichen. Die Gewerkschaft hält nichts von den Auswirkungen der Zwistigkeiten zwischen Armeeführung und Ministerium auf die Soldaten, die letztendlich aus Kampfgebieten kommen, wie der  VSOA-Delegierte Erwin De Staelen sagt:

"Der Minister muss seine Verantwortung übernehmen. Wenn er den Leuten sagt, sie müssen operativ werden, sind sie da. Ich glaube, dass er dann auch seine Verantwortung für eine gute Nachsorge übernehmen muss und der Kurzurlaub gehört dazu. Er glaubt, das ist nicht nötig, ich glaube, dass es wohl nötig ist. Auch seine Kollegen in den Niederlanden, in Frankreich, in England und sogar in den USA glauben, dass so etwas notwendig ist."