Missbrauch: Vorladung für den Vatikan

Die Anwälte einiger Opfer von sexuellem Missbrauch durch Mitglieder der Katholischen Kirche werden den Vatikan vorladen. Die Vorwürfe lauten: Verletzung der Sorgfaltspflicht und fehlerhaftes Verhalten durch das Stillschweigen zu den Vorgängen.

Die Anwälte Christine Mussche und Walter Van Steenbrügge vertreten einige der Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche. Binnen den kommenden beiden Wochen wollen sie einige Bereiche juristisch abrunden, bevor die Vorladung an den Vatikan herausgeht.

Die Missbrauchsopfer und deren Anwälte werfen dem Vatikan vor, sowohl die Sorgfaltspflicht verletzt zu haben, als auch fehlerhaftes Verhalten an den Tag gelegt zu haben, als in der Vergangenheit Fälle von sexuellem Missbrauch durch Kirchenvertreter publik wurden.

Ganz im Gegenteil. Der Vatikan habe nicht nur nicht auf die Vorgänge reagiert, sondern habe vielmehr versucht, die Dinge mit dem Mantel des Schweigens bedecken zu können.

Die höchste Kirchenvertretung habe sogar Regeln erlassen, mit denen ein Stillschweigen der Missbrauchfälle gewährleistet werden sollte.

Formell fehlt den beiden Anwälten noch die Zustimmung einiger der insgesamt 74 Missbrauchsopfer, die sie vertreten. Juristisch gesehen sind die meisten Fälle mittlerweile verjährt, doch über die Vorladung des Vatikans als Führungsgremium der Katholischen Kirche hoffen die Opfer, eventuell Schadensersatz einfordern zu können.

Zumindest gehen sie davon aus, dass sich die Kirche auf diesem Weg dazu bereit erklärt, zumindest moralisch Verantwortung zu übernehmen - sprich, sich bei den Missbrauchsopfern zu entschuldigen, in dem sie die begangenen Fehler einräumt.

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