Living in Translation: Leben mit Übersetzung

Für viele Ausländer, die in Belgien für kurze oder längere Zeit in Belgien wohnen, ist die komplexe Struktur unseres Landes und die hier geltende Sprachregelung unlogisch. Die neue Broschüre LIVING IN TRANSLATION von dem VRT-Journalisten Michaël Van Droogenbroeck soll die am häufigsten vorkommenden Fragen beantworten. Flanderninfo.be wird ab dem morgigen Donnerstag jeden Tag eine Frage und Antwort aus der Brochüre veröffentlichen.

"Das schwierigste für mich war, Ausländern die politische Situation in Belgien zu erklären. Das habe ich bei Fragen wie 'Warum will Flandern den Minderheitenvertrag nicht ratifizieren?' versucht. Für die bestehenden Sprachregelungen alltägliche Vorbilder zu geben, war wiederum kein Problem", erzählt Michaël Van Droogenbroeck (kleines Foto). Er ist Journalist beim öffentlich-rechtlichen flämischen Sender VRT und hatte im Dezember letzten Jahres den Speaker's Corner mit dem Veranstaltungestitel "Warum ist Belgien nicht einfach zweisprachig", der vor allem für die so genannten Expats veranstaltet wurde, moderiert.

Der Speaker's Corner ist eine zwei Mal im Jahr statt findende und simultan übersetzte Vortragsveranstaltung der Organsation "de Rand" für die internationale Gemeinschaft im flämischen Rand um Brüssel. Bei der Veranstaltung im Dezember im Koloniënpaleis in Tervuren wurden zahlreiche Fragen der ausländischen Einwohner in Belgien gestellt. Für viele, so zeigte sich, sind die hier geltenden Sprachregelungen unverständlich und unlogisch. So fassten Michaël Van Droogenbroeck und die Organisation "de Rand" den Entschluss, die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen in einer Brochüre festzuhalten und unter der internationalen Gemeinschaft zu verteilen.

Ziel ist, konkrete Antworten auf die Fragen der Expats zu geben und dabei die komplexe Staatsstruktur unseres Landes - vier Sprachgebiete (das niederländische, das französische, das deutsche und die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt), drei Gemeinschaften und drei Regionen - verständlich zu machen. Fragen wie “Wo spreche ich welche Sprache in Belgien?” oder ”In welcher Sprache wende ich mich an die Behörden? werden dabei genauso behandelt wie "In welcher Sprache sende ich meine Kinder auf die Schule?"

Was Michaël selbst noch besser begriffen habe, als er die Broschüre schrieb, sei die Sprachgesetzgebung für Unternehmen, die, wie er nun weiß, eigentlich sehr einfach sei.

Die drei offiziellen Sprachen in Belgien sind Niederländisch, Französisch und Deutsch. Grundsätzlich gilt eine Sprachenfreiheit hierzulande.

"Der Gebrauch einer einzigen (oder einiger) dieser offiziellen Sprachen ist nur in einer begrenzten Anzahl von Situationen verpflichtend, vor allem bei Kontakten mit den Behörden. Diese Verpflichtung gilt manchmal nur für die Instanzen, manchmal aber auch für die Bürger", schreibt Michaël hierzu in der Boschüre. So müssten offizielle Dokumente innerhalb eines Betriebes sowie schriftliche und mündliche Mitteilungen des Betriebes an seine Arbeitnehmer, Anleitungen und Warnschilder im Betrieb in Flandern auf Niederländisch abgefasst sein. Was die übrige Kommunikation eines Betriebes anbetreffe, so werde nichts festgelegt, heißt es dort weiter. "Ein Betrieb darf also Briefe auf Deutsch schicken oder Kunden auf Portugiesisch empfangen." Welche Sprache die Mitarbeiter untereindander sprechen ist übrigens, solgange es keine hierarchische Beziehung gibt, frei.

Auf die Frage, ob diese Broschure, mit den manchmal recht schnellen Veränderungen in Belgien, künftig auch noch up-to-date sein werde, antwortet der VRT-Journalist: "Dann muss die Brochüre eben angeglichen werden. Die wichtigsten Punkte der Sprachenpolitik in Belgien stehen jedoch schon seit über zehn Jahren fest. Einige sind im Grundgesetz verankert. Die Grundlage wird also die gleiche bleiben."

Bleibt noch eine Frage, die Michaël gerne den ausländischen Einwohnern in Belgien stellen würde: "Wie gehen die vielen Expats mit der Sprache in Städten wie Brüssel, in denen viele internationale Aktivitäten durchgeführt werden, um?"

Haben Sie noch Fragen an Michaël?

Didier Willaert von der Freien Universität Brüssel berechnete  2010, dass im flämischen Rand um Brüssel 2008 rund 11,5 Prozent der Bevölkerung ausländischer Nationalität war. In den Gemeinden mit Spracherleichterungen belief sich der Anteil sogar auf 17,1 Prozent.

LIVING IN TRANSLATION liegt ab dem16. April in den Kulturzentren von "de Rand" und in der öffentlichen Bibliothek der Hauptstadt in Brüssel, ganz in der Nähe der Brüsseler Oper „De Munt“ (Eingang Prinsenstraat 8) kostenlos aus. Die Broschüre ist auf Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch erhältlich.

Flanderninfo.be publiziert ab Donnerstag jeden Tag eine Frage und Antwort aus der Broschüre. Falls Sie noch eine Frage an Michaël zu diesem Thema stellen möchten, können Sie das. Senden Sie Ihre Frage an info@flanderninfo.be.

Die Brochüre kann auch online gelesen werden unter www.livingintranslation.be.

                                                                                                                                                                                                      Uta Neumann