"Heiliger Stuhl weiß um Ernst der Lage"

Der Diözesanrat (IPB, Interdiocesaan Pastoraal Beraad) ist "entsetzt und empört" über die Äußerungen von Roger Vangheluwe in dem am Donnerstag gegebenen TV-Interview. Auch der Vatikan hat inzwischen reagiert.

Josian Caproens, die Vorsitzende des IPB ( das Beratungsgremium der flämischen Laien in der katholischen Kirche) findet, dass der ehemalige Bischof von Brügge, "ein verdorbener alter Mann" ist, der nicht mehr mit der katholischen Kirchengemeinschaft gleichgesetzt werden sollte.

"Wie kann es sein, dass jemand, der versprochen hat, nach dem Vorbild von Jesus Christus zu leben, nicht einsieht, dass er ein Verbrechen begangen hat und es weiterhin beschönigt?"

"Wie kann es sein, dass er nicht einsieht, dass er in der Öffentlichkeit besser schweigt? Er fügt den Opfern und der Kirchengemeinschaft mehr Schaden zu als er Gutes tut", so Caproens.

Vangheluwe (kleines Foto) drohe mehr und mehr ein Symbol zu werden, für die die gesamte Kirchengemeinschaft bezahlen müsse, fügt der IPB hinzu. Seine Einstellung sage alles über die Person Vangheluwe aus und nicht über die gläubige Gemeinschaft. Der IPB distanziert sich von den Äußerungen und findet, dass der ehemalige Brügger Bischof nicht mehr mit der katholischen Kirchengemeinschaft gleichgesetzt werden sollte.

Das Beratungsgremium hofft auf eine schnelle Reaktion aus Rom und fragt sich, ob es von Seiten der Medien angebracht sei, "einem verdorbenen alten Mann" ein Forum zu geben. "Das ist jedenfalls eindeutig ein Interview, in dem Vangheluwe versucht, seine Verbrechen schön zu reden und sie so der Außenwelt zu verkaufen. Vielleicht sollte in diesem Fall die Schweigepflicht höher als das Aussagerecht stehen?"

"Heilige Stuhl ist sich des Ernstes der Lage bewusst"

Inzwischen hat Vater Lombardi, der Direktor des Pressesaals des Heiligen Stuhls, auf Fragen von Journalisten zum Interview des Ex-Bischofs von Brügge geantwortet: "In ihrer Erklärung drücken die belgischen Bischöfe ausdrücklich ihre Bestürzung und ihre tiefste Besorgnis über das Interview des ehemaligen Bischofs von Brügge, Monseigneur Vangheluwe, aus. Der Heilige Stuhl seinerseits verfolgt die Situation aufmerksam und ist sich des Ernstes der Lage bewusst. Er sammelt wichtige Elemente im Hinblick auf eine weiter gehende Prüfung."

Vangheluwe zeigt kaum Reue

In einem Interview mit dem Fernsehsender VT4 hat der ehemalige Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, gestanden, dass er einen zweiten Neffen sexuell missbraucht habe.

Vangheluwe, der Mann, der vor einem Jahr wegen sexuellen Missbrauchs als Bischof von Brügge zurücktrat, will noch stets Monseigneur genannt werden. Bei dem Interview am Donnerstag zeigte er zudem kaum Reue für seine Taten.