Flandern: Medienlandschaft vor Umbruch

Die flämische Holding De Vijver übernimmt die Privatsender VT4 und Vijftv von der deutschen Mediengruppe ProSiebenSat.1 und sticht RTL aus. Die De Vijver-Produktionsfirma Woestijnvis macht auch für die VRT Programme.

Die belgischen TV-Sender der SBS-Gruppe standen bereits seit Dezember 2010 zum Verkauf. Aussichtsreichster Kandidat war bisher die RTL-Gruppe, doch nach einer drastischen Erhöhung des Angebots von Seiten der Holding De Vijver zogen sich die Luxemburger aus der Übernahmeschlacht zurück.

De Vijver, einst ein Underdog in der flämischen Medienlandschaft, fand für diesen Megadeal einen idealen Partner. Die finnische Mediengruppe Sanoma, die in Belgien vor allem auf dem Gebiet der Zeitschriften und anderer Printmedien aktiv ist, steigt bei De Vijver ein. Ein weiterer Teilhaber der Gruppe ist der Verlag Corelio, der unter anderem die flämischen Tageszeitungen De Standaard und Het Nieuwsblad herausbringt.

Sanoma, deren Leitung in Belgien der ehemalige VRT-Fernsehchef Aimée Van Hecke in Händen hat, suchte schon seit längerem nach Partnern, um sich mehr auf crossmediale Herausforderungen konzentrieren zu können. Sanoma übernimmt gleichzeitig auch die niederländischen TV-Sender Veronica, SBS6 und Net 5 und fand in der Mediengruppe Talpa von Fernsehmagnat Jon De Mol dazu einen Geschäftspartner. De Mol ist unter anderem durch die Big Brother-Formate in Europa bekannt.

VRT: Wie sieht die Zukunft aus?

Bisher produzierte die De Vijver-Produktionsfirma Woestijnfis exklusiv Programme und TV-Formate für unser Haus, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT. Doch durch die Tatsache, dass De Vijver jetzt nach der Übernahme von VT4 und Vijftv zum kommerziellen Konkurrenten wird, muss die Zusammenarbeit mit der VRT überdacht werden.

Woestijnvis produziert für die VRT populäre Formate, zum Beispiel Late Night-Shows oder Serien und einige Moderatoren und Schauspieler, die dort unter Vertrag sind, entwickelten sich im Laufe der Jahre zu populären TV-Gesichtern in unserem Haus. Sandra De Preter (Foto), die Vorsitzende der VRT, geht davon aus, dass sich einiges ändern wird: "Es ist noch zu früh, jetzt schon Analysen zu machen. Eine exklusive Partnerschaft mit Woestijnvis war schon schwierig und in der heutigen Konstruktion wird das noch schwieriger.“

Die Gespräche zwischen der VRT und Woestijnvis zur weiteren Zusammenarbeit nach 2012, wenn der derzeitige Vertrag ausläuft, wurden im Februar unterbrochen, als bekannt wurde, dass Mutterhaus De Vijver ein Übernahmeangebot für VT4 und Vijftv abgegeben hatte.

Kreativität im eigenen Haus

Inzwischen habe sich die VRT auf die neue Situation vorbereiten können, so Sandra De Preter am Mittwochmorgen gegenüber der Nachrichtenredaktion:

"Wir haben verschiedene Szenarien ausgearbeitet und jetzt, wo alle Karten auf dem Tisch liegen, können wir eine Entscheidung treffen. Wir werden diese Entscheidung in Ruhe gemeinsam mit dem Verwaltungsrat treffen und lassen zu gegebenem Zeitpunkt wissen, wie diese aussehen wird.“

Zur Zukunft unseres Hauses eventuell ohne Kooperation mit De Vijver-Woestijnvis sagte die VRT-Cheffin: "Die Rolle der VRT bleibt unverändert und unsere Visionen sind festgelegt. Überdies glaube ich fest an die Kreativität in unserem Hause.“