Keine Erkrankungen nach Tschernobyl?

Ein Bericht des Forschungszentrums für Nuklearenergie widerspricht Aussagen eines Mediziners, nach denen es einige Jahre nach dem Atomunfall in den 1990er Jahren in Belgien vermehrt zu Schilddrüsenkrebs gekommen sei.

Der schwere Atomunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren führte in Belgien nicht zu einer merklichen Zunahme von Krebserkrankungen an den Schilddrüsen. Dies belegt ein entsprechender Bericht des Forschungszentrums für Nuklearenergie SCK in Mol bei Antwerpen, der am Mittwoch in einigen Tageszeitungen in Belgien veröffentlicht wurde.

Nach Angaben des SCK waren die gemessenen Strahlenwerte in Belgien im Zuge des Unfalls in Tschernobyl durchaus erhöht, doch dies sei nicht in einem Maße festgestellt worden, nach dem es zu einem erhöhten Krebsrisiko hätte kommen müssen.

Die Studie des SCK widerspricht der Ansicht des Arztes Luc Michel, Chirurg am Krankenhaus Mont-Godinne in Yvoir in der Provinz Namür, derin einem Interview mit dem frankophonen Magazin "Le Soir Illustré" erklärte, Tschernobyl habe auch Opfer in Belgien gefordert.

Er habe in den 1990er Jahren eine Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen festgestellt.

Dies hätte überdies damals verhindert werden können, wenn die belgischen Behörden nach der Katastrophe vorsorglicher mit der Gefahr umgegangen wären.

So hätte man damals Kindern und schwangeren Frauen raten müssen, einige Tage zu Hause zu bleiben. Im Laufe der Jahre hätte man zudem Kindern, die 1986 zum Zeitpunkt der Katastrophe jünger als 10 Jahre alt waren, regelmäßig einer Kehluntersuchung unterziehen sollen, was aber weitgehend unterblieben ist.

Beweise für seine Behauptung hat Dr. Michel nicht, denn zuverlässige Berichte zu den gemessenen Strahlenwerten wurden nicht veröffentlicht. Nur ein vertraulicher Bericht des belgischen Wetteramtes KMI bestätigt offenbar, dass die radioaktive Wolke über unserem Land Folgen hatte. Damals seien Spitzenwerte von bis zu 70 Bequerel Radioaktivität festgestellt worden, heißt es dazu.