Schokolade: Topqualität mit Nachgeschmack?

Passend zum Osterfest analysierte die Verbraucherschutz-Organisation Test-Aankoop die Qualität der belgischen Schokolade. Die weltbekannten Produkte aus unserem Land haben Spitzenqualität, doch ethisch bleibt ein bitterer Nachgeschmack.

Zu Ostern beginnt traditionell die erste Spitzenzeit in der Schokoladensaison. Millionen Ostereiner, die meisten davon natürlich aus Schokolade, regnen auf die Verbraucher ein und die Produzenten schreiben riesige Umsätze.

Die belgische Verbraucherschutz-Organisation Test-Aankoop, vergleichbar mit der deutschen Stiftung Warentest, analysierte just zum Ostergeschäft 28 Tafeln Milchschokolade aus hiesiger Fertigung.

Für Test-Aankoop war es höchste Zeit, hierzulande einmal die Qualität der Schokolade unter die Lupe zu nehmen. Die Belgier wissen das zu schätzen, denn mit einem Jahresverbrauch von 8,9 kg Schokolade pro Kopf sind sie in dieser Hinsicht wahre Leckermäuler. Eines kann schon jetzt vorausgeschickt werden: Die Resultate der Qualitätstest sind gut. Gewichte, gesetzliche Zutatenliste auf den Verpackungen und die Urteile von 60 vorkostenden Verbrauchern zeigten einmal mehr, dass in Belgien hervorragende Schokolade hergestellt wird.

Zwei verschiedene Milchschokoladen von Côte d’Or führen die Wertung mit mehr als 90 % der Punkte an und nur drei Produkte müssen ohne Auszeichnung auskommen. Schlusslicht ist eine Bio-Milchschokolade der Marke Tohi. Test-Aankoop stellte dazu ironisch fest, dass dies ausgerechnet die teuerste getestete Schokolade war, denn Tohi ist fünfmal teuerer als die Testsieger…

Kakaogehalt nicht ausschlaggebend?

Den Schokoladetestern von Test-Aankoop viel bei ihren Analysen überraschenderweise auf, dass ein höherer Kakaogehalt in den Tafeln beim durchschnittlichen Verbraucher kaum ins Gewicht fällt.

Unter den getesteten 28 verschiedenen Produkten waren drei Tafeln mit einem Kakaoanteil von mehr als 40 %, doch diese kamen weniger gut an, als Produkte mit geringerem Anteil. Die beiden Testsieger haben einen Kakaogehalt von 30 %, respektive von 35 %.

Ethisch ein bitterer Nachgeschmack?

Test-Aankoop wollte aber auch wissen, wie die Produktion zustande kommt und wo und unter welchen Umständen die Kakaobohnen gezüchtet und geerntet werden. Dabei kamen Themen, wie Kinderarbeit, fairer Handel oder Umwelteffekt aufs Tapet. Die Hersteller selber füllten dazu Fragebögen aus, doch die Verbraucherschützer sprachen darüber auch mit Fachleuten und werteten internationale Studien und Statistiken der in Belgien am Markt aktiven Produzenten aus.

15 von den insgesamt 18 hiesigen und am belgischen Markt beteiligten ausländischen Herstellern arbeiteten hierbei mit. Nur Match und Intermarché, zwei belgische Warenhausketten mit eigenen Labeln und Ritter Sport meldeten sich nicht. Drei Unternehmen - Rapunzel, Oxfam Fairtrade und Alter Eco - erhielten dabei eine sehr gute Note.

Zwischen 75 und 80 % der Kakaobohnen, die für Produkte am belgischen Markt verwendet werden, kommen aus westafrikanischen Staaten, zumeist aus Ghana oder von der Elfenbeinküste. Meist geschieht der Anbau auf kleinen familiären Bauernhöfen, wo den Bestellern das Geld zum investieren fehlt. Bei Preisverhandlungen für ihre Bohnen ziehen sie meist den Kürzeren und oft müssen ihre Kinder mitarbeiten. Für die Schule bleiben da keine Zeit und kein Geld…

Die Macht der Konsumenten

Für Test-Ankoop sollten die Verbraucher ihre Macht am Markt besser unter Beweis stellen. Bisher machen Schokoladeprodukte aus fairem Handel am Markt in Belgien lediglich 1 % des gesamten Verkaufs aus. Deshalb raten die Verbraucherschützer den Verbrauchen auch und gerade zur Osterzeit dazu, doch öfter auf nachhaltig produzierte und ehrlich gehandelte Erzeugnisse umzusteigen. Diese Produkte, das habe der vorliegende Test ja gezeigt, hätten ebenfalls eine sehr gute Qualität.

Auch den Herstellern wird von Seiten der Verbraucherschützer angeraten, ihre Politik anzupassen und beim Kauf ihrer Rohstoffe, den Kakaobohnen aus Afrika, mehr auf ethische Standards zu setzen. Wenn deren Produkte bis hin zu den Kakaobauern in Westafrika zurückverfolgbar sind, können sozial nicht hinnehmbare Zustände, wie Kinderarbeit unter zwingendem Verzicht auf Schulbildung ausgeräumt werden.