Warum bleiben Randgemeinden um Brüssel flämisch?

Die Gemeinden im Rand um Brüssel gehören zum niederländischen Sprachgebiet. Weil viele Französischsprachige in den letzten Jahrzehnten in die Randgemeinden übergesiedelt sind, sprechen dort immer mehr Einwohner Französisch. Die französischsprachigen Einwohner sind in den Fazilitätengemeinden sogar in der Mehrzahl. Trotzdem bleiben diese Randgemeinden offiziell ausschließlich niederländischsprachig. In Belgien gilt ja das Territorialitätsprinzip, wie in manchen anderen Föderalstaaten.

VLAAMSE RAND INTERNATIONALISIERT

Von den fast 600 000 Einwohnern in den fünfunddreißig Gemeinden des Arrondissements Halle-Vilvoorde ist ein wichtiger Teil anderssprachig. Es ist aber nicht bekannt, wie viele es genau sind. Auch die 6 Fazilitätengemeinden standen in den letzten Jahrzehnten unter Druck der Französisierung und der Internationalisierung. Dennoch gehören auch diese Gemeinden nach wie vor zum niederländischen Sprachgebiet und dort bleibt, außer ihrem Ausnahmestatut, Niederländisch die offizielle Sprache. Für viele Außenstehende ist diese Situation unbegreiflich. Sie ist aber das Ergebnis ausgeglichener Vereinbarungen zwischen den Sprachgemeinschaften in Belgien.

TERRITORIALITÄTSPRINZIP

Mit der Einteilung unseres Landes in Sprachgebiete wurde auch das Territorialitätsprinzip eingeführt. Das bedeutet, dass die Regionssprache auch die Amts-, Unterrichts- und Gerichtssprache ist. Konkret muss das in Flandern überall auf Niederländisch erfolgen, obwohl in einigen Gemeinden die größte Anzahl der Einwohner eine andere Sprache spricht. Die gleiche Regel gilt übrigens im französischen und deutschen Sprachgebiet. Im Laufe der Jahre haben Französischsprachige und Niederländischsprachige dieses Territorialitätsprinzip zusammen gestaltet. Es steht auch in der Verfassung und ist also schwer zu ändern. Dafür gibt es übrigens keine politische Mehrheit.

ERGEBNIS DER HISTORISCHEN REVOLUTION

Die Sprachgrenze kann nicht so ohne Weiteres angepasst werden. Dazu ist im föderalen Parlament eine besondere Mehrheit erforderlich. Das bedeutet, dass der Änderungsvorschlag in der Abgeordnetenkammer und im Senat eine Zweidrittel-Mehrheit benötigt und dass in jeder Sprachgruppe eine Mehrheit der Abgeordneten das Gesetz befürworten muss. Die Sprachgrenze kann also nur geändert werden, wenn sowohl bei den niederländischsprachigen als auch bei den französischsprachigen Abgeordneten eine Mehrheit gefunden wird. Flamen und Französischsprachige können die Sprachgrenze nie einseitig ändern. Die Tatsache, dass in einigen flämischen Gemeinden viele Französischsprachige und Anderssprachige leben, wird daran nichts ändern. Bei flämischen Politikern gibt es gewiss nicht den Willen, um über die Änderung der Sprachgrenze zu diskutieren. Und daher ist es mehr als unwahrscheinlich, dass diese Situation sich schnell ändern würde.

NICHT NUR IN BELGIEN

Übrigens ist nicht nur das belgische föderale Modell auf dem Territorialitätsprinzip aufgebaut. Auch in anderen mehrsprachigen Ländern, wie in der Schweiz, wird es angewendet. Dort ist die zugrunde liegende Argumentation dieselbe wie die belgische. Eine lebende Sprache ist unverbrüchlich mit einem Territorium und mit den Menschen, die dort wohnen, verbunden.

Quelle: "Living in Translation" von Michaël Van Droogenbroeck ist eine Initiative der Organisation "de Rand". Sie können die Broschüre auch im Internet lesen unter http://www.livingintranslation.be/.

Falls Sie noch eine Frage an Michaël zu diesem Thema stellen möchten, können Sie das. Senden Sie Ihre Frage an info@flanderninfo.be.