"Schockiert von seiner Körpersprache"

Erzbischof André Léonard (Foto) reagiert auf das umstrittene TV-Interview des ehemaligen Bischofs von Brügge, Roger Vangheluwe, rund ein Jahr nach dessen erzwungenem Rücktritt, als bekannt wurde, dass er Kinder aus seinem familiären Umfeld sexuell missbraucht hatte.

In einem Interview mit den VRT-Nachrichten sagte André Léonard, Erzbischof des Bistums von Brüssel und Mechelen und Primas der Katholischen Kirche in Belgien, dass er vor allem vom Timing Vangheluwes schockiert war und von der Tatsache, dass er seine Vergehen minimalisiert hatte:

"Durch die Tatsache, dass er dies zu einem Augenblick tat, als man ihn von Rom aus dazu aufgefordert hatte, zu schweigen und in Stille zu leben, was dies absolut nicht opportun und sogar schockierend. Schockierend war auch, dass er die Fakten herunterspielte.“

Zudem, so Léonard weiter, zeigte seine Körpersprache die Haltung von jemandem, der sich gerade in Urlaub befand.

Der Erzbischof sagte allerdings auch, dass der Vatikan seinerzeit auf die Vorgänge sehr schnell reagiert habe. Schon zwei Tage nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle von Seiten Vangheluwes, habe man ihn zum Rücktritt aufgefordert.

Dies sei eine Vorgehensweise, die man so noch nicht gesehen habe. Normalerweise habe man in solch einem Fall mehr Geduld üben müssen.

Angesprochen auf eine passende Strafe von Rom für den ehemaligen Bischoff von Brügge sagte Léonard in den VRT-Mittagsnachrichten am Ostersonntag, dass der erzwungene Rücktritt und die spätere Verpflichtung, Buße zu tun sowie sich in Behandlung zu geben, schon zwei harte Strafen gewesen seien.

Doch eine dritte Maßnahme könne er sich durch dessen neuerliches Fehlverhalten schon vorstellen. Doch eine Exkommunizierung sein der falsche Schritt, denn dann sei Vangheluwe wieder auf sich gestellt und nicht mehr kontrollierbar.

Zurückhaltende Osterpredigt

Erzbischof André-Joseph Léonard ist in seiner Osterpredigt in der Kathedrale von Brüssel nicht näher auf die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche in Belgien eingegangen.

Im Gegensatz zu seinen Äußerungen gegenüber der VRT und anderen Medien wollte er in der Kathedrale "vor allem positive Nachrichten“ bringen.

Er habe die Missbrauchfälle innerhalb der Kirche ausreichend in der Palmsonntagmesse in Louvain-La-Neuve und Mechelen und während des Kreuzgangs in der Basilika von Koekelberg thematisiert.

Er nannte das Interview des zurückgetretenen Bischofs von Brügge, Roger Vangheluwe, vor 10 Tagen in einem flämischen Privatsender, zwar schockierend, doch er wolle positiv bleiben. Daneben rief er in seiner Predigt auch zu einem besseren Verständnis zwischen den beiden Sprachengruppen in Belgien.

Ostern sei auch, so Léonard, der Politik die Botschaft der Brüderlichkeit zu bringen. Gemeinsam hätten Flamen und Frankophone an den verschiedenen kirchlichen Feierlichkeiten zu Ostern teilgenommen und diese Verbundenheit gelte es zu respektieren und zu verteidigen.