Muss Belgien Angst vor Vergeltung haben?

Nach der Tötung von El-Kaida-Chef Osama bin Laden wächst auch in Belgien die Sorge, dass es neue Anschlagsversuche islamistischer Terroristen geben könnte. André Van Doren, der Direktor des OCAD (der Koordinierungsstelle für die Bedrohungsanalyse), die die Terrorgefahr in unserem Land für uns analysiert, sagte in einem Interview mit dem VRT-Fernsehen hierzu: „Wir können Gegenreaktionen nicht ausschließen, da durch diesen Schlag Bin Ladens Symbolfunktion gestärkt werden könnte."

"Vor diesem Hintergrund dürfen wir die Realität nicht aus den Augen lassen. Wir haben gesehen, was in der letzten Zeit in Marokko und auch in der letzten Woche in Deutschland passiert ist. In den kommenden Tagen und Wochen müssen wir deshalb besonders aufpassen“, fügte Van Doren hinzu.

Die Gefahrenstufe in Belgien beträgt derzeit 2 auf einer Skala von 4. Auf die Frage, ob sich dies schnell ändern könnte, meinte Van Doren: „Ich schließe das nicht aus. Das wird auch von der Information abhängen, die wir bekommen und von der Analyse, mit deren Aktualisierung wir derzeit beschäftigt sind. Sobald wir alle Informationen zusammen haben, werden wir entscheiden ob wir die Gefahrenstufe höher einschätzen. Man kann also nicht ausschließen, dass die Gefahrenstufe in unserem Land angehoben wird.“

Unterdessen haben verschiedene Länder ihre Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Die internationale Polizeibehörde Interpol, die ihr Hauptquartier in Lyon hat, hat die Alarmstufe erhöht und warnt vor einem erhöhten Anschlagsrisiko. "Der Tod von Bin Laden bedeutet nicht, dass El Kaida ohne Führung ist", heißt es. "Die Organisation hat eine starke Struktur und es stehen bereits eine Nummer 2 und 3 startklar."

Terrorexperte Claude Moniquet, der zugleich auch Direktor des European Strategic Intelligence and Security Center (ESISC) ist, hält es für absolut notwendig, dass unser Land die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. "Es ist ein psychologischer Schlag gegen die Terroristen, aber Bin Laden wird als Märtyrer angesehen werden und das wird kurz- oder mittelfristig ihr Identitätsgefühl stärken."

Die amerikanischen Belange in Belgien würden die Bedrohung für unser Land erhöhen, so Moniquet noch. Auch die Präsenz des Nato-Hauptquartiers in Brüssel stelle ein Risiko dar.