"König ohne Land" verärgert Königshaus

"Ein König ohne Land" heißt das am Donnerstag veröffentlichte Buch über die Macht und Zukunft des Königs in Belgien. Die beiden Journalisten Steven Samyn von De Morgen und Martin Buxant von La Libre Belgique haben das Buch geschrieben, in dem sie sich auf Gespräche mit Politikern basieren. Dabei haben sie festgestellt, dass der König scheinbar Neuwahlen absolut ablehnt, weil er Angst vor einer weiteren Radikalisierung in neuen Wahlkampagnen hat.

"König Albert II hat verschiedenen Parteivorsitzenden klar gemacht, dass er sich weigere, einen Beschluss zu unterzeichnen, der Neuwahlen anordnet", schreiben die Journalisten in ihrem Buch.

Im Oktober hatte der König mehrere Parteivorsitzende empfangen. Er soll sich damals über die politsche Situation geärgert haben. "Er hat mir geschworen, dass er Neuwahlen niemals zustimmen werde", erzählt ein Parteivorsitzender. "Die müssen sich selber helfen", soll König Albert über die N-VA und die PS, die beiden Wahlsieger vom 13 Juni 2010, gesagt haben.

Falls der König tatsächlich so einen Beschluss weigern würde, hätten wir eine konstitutionelle Krise, erklärt Steven Samyn im VRT-Radio am Donnerstagmorgen und er fügt hinzu: "Das zeigt jedoch vor allem, wie der König über die politische Situation denkt. Er hat Angst, dass sich die Parteien bei Neuwahlen weiter radikalisieren. Das kann dann das Ende des Landes bedeuten. Der König ist wohl auch ein bisschen aus Gründen der Selbsterhaltung dagegen."

"In Laken herrschte Panik als man vom Sieg der N-VA von Bart De Wever erfuhr", fährt Martin Buxant von La Libre Belgique fort. "Zum ersten Mal wurde der König öffentlich von einem Republikaner aufgesucht."

Noch im Oktober gab der König De Wever den Auftrag des "Aufklärers". Laut Information der beiden Journalisten ging dem eine heftige Diskussion vorab. De Wever habe einen anderen Titel gewollt, so Samyn. Der andere Titel sei aber nur für seriöse Menschen, habe es daraufhin im Umfeld des Königs geheißen. Der Auftrag De Wevers sei zudem auch streng eingegrenzt worden. So dauerte der Auftrag nur zehn Tage und De Wever durfte auch nur mit sieben Parteien sprechen. In Laken sind sie vor De Wever auf der Hut, schlussfolgern die Journalisten.

Zur Rolle des Königshauses heute, antwortet Buxant, dass die jungen Politiker weniger Angst vor dem Königshaus hätten als früher. Der Einfluss des Königs auf die Politiker sei zurückgegangen. Politker hätten Respekt vor dem König, aber sie sagten, was sie denken.

Die Rolle des Königshauses scheint sich geändert zu haben. Auch auf flämischer Seite sehe man diese Entwicklung. Seit Jahren bröckele die Macht des Königshauses, so Samyn. Die Leute seien offener. "Das Königshaus ist nicht mehr der heilige Stuhl von Belgien, der es einst war."

Welche Zukunft für die Monarchie?

Die Monarchie befinde sich mitten in einer Entwicklung. Die Macht des Königs schwinde, so Samyn. 

Köng Albert habe zwar noch etwas zu sagen, aber er erfülle seine Rolle anders als zum Beispiel Boudewijn - weniger streng und intervenierend.

Die Entwicklung gehe in Richtung eines stets mehr protokolarischen Systems.

Königshaus ist verärgert über das Buch

Unterdessen hat das Königshaus auf die Veröffentlichung des Buchs reagiert. Auf diese Weise wird die Krone bloß gestellt.

In einer Presseerklärung heißt es unter anderem, dass die Diskretion verletzt worden sei. Einige Passagen in dem Buch sollen zudem falsch sein. Dem Abschnitt, in dem es heißt, dass der König keine Neuwahlen zulasse, widerspricht das Könighaus jedoch nicht.

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