Lejeune: "Die lassen ein Monster frei"

Die Eltern der Opfer des Kinderschänders Marc Dutroux bedauern die mögliche Freilassung seiner Frau Michelle Martin. "Ich halte 15 Jahre für die Mittäterschaft an Morden verschiedener Kinder, darunter auch meiner Tochter, für viel zu wenig", so Jean-Denis Lejeune (Foto), der Vater von Julie im TV-Sender RTL.

"Sie bleibt die Mörderin meines Kindes", so Lejeune weiter. "Meine Tochter hatte keine einzige Chance. Sie hatte die Möglichkeit, Julie frei zu lassen und ihr zu essen zu geben. Das hat sie nicht getan."

Falls Martin freigelassen wird, geschieht dies unter Auflagen. Für Lejeune reicht das nicht aus.  "Stimmt, dass sie zum Beispiel nicht in unsere Nähe kommen darf, aber ich halte das nicht für ausreichend. Ich hätte gerne mehr Informationen. Sie dürfen nicht vergessen, dass sie ein Monster freilassen."

Lejeune wurde am Montagmorgen telefonisch durch die Opferhilfe in Lüttich von der möglichen Freilassung Martins unterrichtet, aber einige andere Eltern der Opfer wussten nicht einmal, dass Martin freigelassen werden kann.

Paul Marchal (kleines Foto), der Vater von An Marchal, findet es traurig, dass er die Nachricht über die Presse erfahren musste. Außerdem findet er, dass eine vorzeitige Entlassung in diesem Fall nicht möglich sein sollte. “Ich verstehe das Verfahren zwar, aber das ist doch unbegreiflich”, sagt er. “In den 80er Jahren wurde Michelle Martin schon einmal für ähnliche Taten verurteilt. Das macht aus ihr eine Wiederholungstäterin.”

Da Martin in den 80er Jahren von einem Strafgericht verurteilt wurde und beim Dutroux-Prozess von einem Schwurgericht, sieht das Gericht laut Marchal das nicht als Wiederholungstat. “Sonst dürfte sie nach der Hälfte ihrer Strafe noch nicht freigelassen werden. Und bei dieser möglichen Freilassung habe ich ein ungutes Gefühl.” Marchal findet auch, dass die Justiz hier ein falsches Signal setze.

"Was war die genaue Rolle von Martin?"

Auch die Familie von Eefje Lambrecks ist enttäuscht.

Georges-Henri Beauthier, der Anwalt von Laetitia Delhez (kleines Foto), sagt, dass seine Mandantin nicht gerade froh über die mögliche Freilassung ist. "Als Nebenkläger können wir nicht viel tun. Laetitia hat keine Lust mehr, um noch zum Strafvollzugsgericht zu gehen. Sie wartet noch immer auf einen Schadensersatz für ihre Mutter."

"Wir wollen immer noch wissen, welche Rolle genau Martin in der Dutroux-Affäre hatte." Laetitia Delhez ist zusammen mit Sabine Dardenne die einzige, die den "Keller von Dutroux" überlebt hat. Beide Mädchen wurden 1996 entführt und
von Marc Dutroux missbraucht.