Banken ziehen ihre Prognose nach oben

Die Großbanken bewerten das Wirtschaftswachstum in Belgien positiv und erhöhten ihre Prognose um 2 % auf 2,3 %. Eine Abstufung der belgischen Kreditwürdigkeit, die Standard & Poor’s in Betracht zog, steht damit wohl nicht an.

Die flämische Wirtschafts- und Finanzzeitung De Tijd stellte den in Belgien ansässigen Großbanken entsprechende Fragen und stellte fest, dass diese die ökonomischen Aussichten für Belgien eigentlich nicht schlecht einschätzen.

Nach Ansicht von Chefvolkswirt Peter De Keyzer von BNP Paribas Fortis ist es sogar an der Zeit, die eigenen Ambitionen höherzuschrauben, wie er am Dienstagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion angab:

"Man kann nicht umhin, denn nach einem so starken ersten Quartal muss schon einiges geschehen, um das Wachstum noch unter 2,3 % auskommen zu lassen. Das bedeutet, dass das durchschnittliche Jahreswachstum eigentlich weit über 2 % liegen wird. Mit den unerwarteten Gewinnen können wir unseren Haushalt sanieren, was damit um einiges einfacher sein wird.“

Wenn das Wachstum mitspiele, so De Keyzer, dann müsse man noch einen Zahl zulegen, denn man müsse sanieren, wenn es gut läuft: "Heute läuft es gut, also müssen wir diese Chance nutzen.“

Herabstufung zurückgenommen

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte im Dezember 2010 angekündigt, Belgiens Kreditwürdigkeit herabzustufen, falls bis Juni 2011 keine neue Regierung stehe.

Am vergangenen Samstag hatte die Agentur allerdings bekannt gegeben, dass unser Land zumindest bis dahin nicht abgestuft werde, wobei verwies Standard & Poor’s auf die positive wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes im ersten Quartal des Jahres.

Belgiens geschäftsführender Premierminister Yves Leterme (CD&V - Foto) sagte im Hinblick auf den Mehrjahreshaushalt, dass die scheidende Bundesregierung durchaus beschlussfähig sei und zog die Glaubwürdigkeit von Standard & Poor’s in Zweifel.

Am Rande seines Besuchs in der Türkei bemerkte er, dass die Ratingagentur drei Wochen vor dem Fall vor dem Fall von Lehman Brothers noch eine Kaufempfehlung ausgesprochen hatte. Dies sei durchaus mit der Drohung zu vergleichen, Belgien herabzustufen, während die Wachstumsprognosen nur kurz danach nach oben klettern.

AA+

Derzeit steht Belgien im Standard & Poor’s-Ranking auf der zweithöchsten Stufe AA+. Durch eine Herabstufung müsste unser Land höhere Zinsen auf die neuen Staatsschulden zahlen. Zudem wäre es für Belgien schwieriger, günstig frisches Geld auf den finanziellen Märkten zu leihen. Folgen davon wären auch für die privaten Haushalte und für die Unternehmenswelt spürbar.