"Belgien hat die Krise gut überstanden"

Das Planbüro der belgischen Bundesregierung erwartet ein Wirtschaftswachstum von 2,2 % und sinkende Arbeitslosenzahlen. Die Krise scheint damit überstanden, doch in Sachen hohe Lohnnebenkosten und Konkurrenzfähigkeit ist nicht alles Gold was glänzt.

Das Planbüro erwartet für die Jahre 2011 und 2012 ein Wirtschaftswachstum von 2,2 %. Damit schneidet Belgien in der Erwartung besser ab, als der Durchschnitt in der Europäischen Union, denn hier wird ein Wachstum von etwa 1,7 % prognostiziert.

In seinem Bericht zu den wirtschaftlichen Aussichten für unser Land bis 2016 errechnet das Planbüro auch, dass die Arbeitslosigkeit auf Dauer signifikant sinken wird. Dieses Jahr sollen 43.000 offene Stellen zusätzlich besetzt werden und im Zeitraum 2012-2016 sollen jährlich rund 48.000 neue Jobs entstehen.

Allerdings werden die meisten neuen Stellen in erster Linie in den Bereichen Dienstleistung und Pflegebereich sowie durch Arbeitsbeschaffungsprogramme geschaffen. Arbeitsplätze in der Industrie werden eher weiter abgebaut. Ursachen dafür sind weniger Investitionen in Belgien, höhere Zinsen und ein Auf und Ab der Energiepreise.

Alles in Allem habe Belgien die Krise auffallend gut überstanden und die 2009 seit angestiegenen Arbeitslosenzahlen konnten wieder zurückgedrängt werden. Trotzdem geht das Planbüro davon aus, dass bis 2015 noch ein bis zu 17 Milliarden € großes Haushaltsloch gestopft werden muss.

Um den Haushalt auszugleichen und um vielleicht leichte Überschüsse zu erwirtschaften, sollten Bund und Länder gemeinsame Sache machen, empfiehlt das Planbüro.

Konkurrenzfähigkeit und Lohnkosten

Ein Dauerproblem für Belgien sind die hohen Nebenkosten und Besteuerungen von Löhnen und Gehältern. Bis Ende 2012, so das Planbüro, steigen diese Kosten im Bereich der Privatwirtschaft um weitere 5,6 %. Das ist deutlich mehr als die Sozialpartner im Zuge der letzten Manteltarifverträge errechnet hatten. Damals ging man noch von einem Anstieg um 4,2 % aus.

Die verschiedenen Arbeitgeber- und Unternehmerverbände in Bund und Ländern haben bereits auf diese Zahlen reagiert und stellen fest, dass der Nachteil auf Ebene der internationalen Konkurrenzfähigkeit damit wieder deutlich zunimmt, was die am Donnerstag bekannt gewordenen Zahlen zum Rückgang der ausländischen Investitionen unterstreicht.

Das Planbüro arbeitet derzeit daran, diese Zahlen und die weiteren Auswirkungen dadurch zu präzisieren.

Die EU-Kommission ist noch optimistischer

Die Europäische Kommission geht in ihren Erwartungen sogar noch weiter und sagt Belgien eine Wachstumsprognose um 2,4 % voraus.

Die Kommission geht zudem davon aus, dass die Inflation in Belgien noch in diesem Jahr 3,6 % betragen wird. Dies liegt nach Ansicht der Union in erster Linie an den weiter steigenden Rohstoffpreisen auf den Weltmärkten.

Dieses Jahr noch soll die Wirtschaft in Belgien in den Augen der EU um 1,6 % steigen und im kommenden Jahr um 1,8 %. Damit liegt die Prognose leicht über dem europäischen Durchschnitt. Das Haushaltsdefizit für Belgien rahmt die Kommission auf 3,7 % für das Laufende Jahr und auf 4,2 % für 2012 ein.