Gerät der London-ICE ins Wanken?

Nach Angaben verschiedener Medien in Belgien, Deutschland und Frankreich werden die Pläne der DB AG., eine ICE-Verbindung von Frankfurt und Köln über Brüssel nach London zu schaffen, von französischem Konkurrenzgerangel torpediert.

Ab 2013 will die Deutsche Bahn mit ihren ICE’s der neuesten Generationen von Frankfurt nach London fahren. Erste Tests im Eurotunnel und auf dem britischen Gleisnetz bis London St. Pancras waren erfolgreich und auch eine Evakuierungsübung im Eurotunnel gelang ohne Probleme.

In Belgien sind die deutschen ICE 3 der Baureihe 407 bereits zugelassen und die britischen Bahnbehörden und die Eurotunnel-Betreibergesellschaft gab auch grünes Licht für den Einsatz über die englische Hochgeschwindigkeitslinie N°1 nach London.

Doch alledem scheinen die französischen Behörden jetzt im Bereich Zulassung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Betriebsgenehmigungen für die ICE-Züge zwischen der belgischen Grenze und dem Eurotunnel bei Calais lassen auf sich warten. Hintergrund ist offensichtlich ein Konkurrenzkampf zwischen den Bahnherstellern Siemens in Deutschland und Alstom in Frankreich.

Dabei geht es um die Ausschreibung der neuen Generation Eurostar-Züge, bei der das französische Unternehmen den Kürzeren gezogen hatte. Siemens soll jetzt für die Eurostar-Gesellschaft die modernste Variante des ICE 3 liefern.

Jetzt machen Frankreichs Behörden plötzlich Sicherheitsbedenken geltend. Dabei geht es um die Zulassung der Antriebe. Frankreich pocht auf Züge mit Triebwerken an jedem Zugende - siehe Thalys oder TGV. Doch Siemens baut den ICE mit Fahrmotoren in jedem Wagen der Zügen versichtet also auf eigentliche Triebfahrzeuge.

Bemühungen um ICE-Halt auf dem Weg nach London

Wie lange sich die Zulassungsformalitäten noch hinziehen, ist unklar. Inzwischen buhlen Aachen an der Landesgrenze zu Belgien und die belgische Metropole Lüttich um einen Halt der deutschen London-ICE’s auf ihrem Weg von Frankfurt/Köln über Brüssel nach London.

Aachen scheint dabei weiter zu sein, denn inzwischen mischt da auch das Bundesverkehrsministerium mit. In Lüttich hat sich derweil erst eine Bürgerinitiative für einen Halt des Schnellzuges nach London gegründet. In wie weit höhere Instanzen in Belgien schon auf diesen Zug aufgesprungen sind, ist noch unklar.

Der ostbelgische Europaabgeordnete und EU-Verkerhrsexperte Mathieu Grosch (CSP) nannte die entsprechende Petition der Lütticher Initiative urbAgora einen richtigen Weg, doch mehr weiß er wohl auch nicht dazu.

Große Pläne bei der DB AG.

Inzwischen plant die Deutsche Bahn nach einer Meldung der Süddeutschen Zeitung offenbar einen Ausstieg aus dem Thalys-Verbund.

Diese Gesellschaft, der der französischen Staatsbahn SNCF 62 %, der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB 28 % und der DB AG. 10 % der Anteile gehören, verbindet Brüssel mit Köln, Amsterdam, Paris und Marseille mit Hochgeschwindigkeitszügen. Doch von diesem Geschäft will die DB mehr haben und plant Metropolen, wie Essen, Köln oder Düsseldorf mit eigenen Schnellzügen mit Brüssel oder Paris verbinden.

Ob Frankreich auch hier ins Hintertreffen gerät? Die belgische und EU-Hauptstadt Brüssel bleibt in jedem Fall Drehscheibe des internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehrs in diesem Teil Europas. Brüssel ist als Anlaufzentrum für alle HGV-Züge, ob Thalys, ICE, TGV und Eurostar ohnehin gesetzt.