Randaliert: Major aus Kunduz abberufen

Ein Major der belgischen Armee ist von seiner Mission in Afghanistan zurück nach Hause beordert worden. Er hatte in betrunkenem Zustand in einer Feldkneipe in Kunduz deutsche Kameraden beschimpft und beleidigt.

Am Standort Kunduz im Norden von Afghanistan schieben belgische und deutsche Soldaten gemeinsam ihren Dienst und zwar recht kooperativ und in Freundschaft verbunden. Doch einer der belgischen Soldaten sah dies wohl anders.

Vor 10 Tagen, am 13. Mai, soll der Mann, ein Major aus dem Führungsstab der belgischen Armee in Kunduz, in betrunkenem Zustand Kollegen der deutschen Bundeswehr in deren Feldkneipe mit dem bezeichnenden Namen "Talibar“ beschimpft und beleidigt haben. Als er handgreiflich wurde, musste sogar die Militärpolizei gerufen werden, die mit dem aufgebrachten Trunkenbold in Uniform ihre liebe Mühe hatte.

Der belgische Major soll völlig betrunken gewesen sein, obschon die Soldaten dort am Tag lediglich zwei Dosen Bier trinken dürfen. Zuerst soll er bei einer deutschen Soldatin um ein Glas Wein gebeten haben, doch angesichts seines trunkenen Zustands verweigerte diese ihm dies. Darauf sind bei dem Major offenbar alle Sicherungen durchgebrannt und er wurde wütend.

Als ihn Bundeswehrsoldaten zur Raison bringen wollten, teilte er Faustschläge aus, beleidigte er diese und drohte ihnen mit dem Tod. Angeblich, so will die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws jedenfalls wissen, habe er sogar nach seiner Waffe gegriffen. Letztendlich wurde er von der Militärpolizei abgeführt, die er ebenfalls beschimpfte. Die belgische Militärführung vor Ort beschloss nach den Berichten der Soldaten und der Militärpolizei den Major zurück nach Belgien zu schicken.

Het Laatste Nieuws hatte mit dem Major, zum Zeitpunkt des Vorfalls der zweitwichtigste Rang der belgischen Truppe in Kunduz, sprechen können, doch dieser erinnerte sich angesichts seiner Trunkenheit an besagtem Abend an die Vorgänge nicht mehr. Er bedauere allerdings sein Vorgehen.

Mittlerweile hat der Bericht zu dem peinlichen Vorfall die belgische Armeeführung in Brüssel erreicht. Nach Angaben einer Sprecherin der Armee kann der Major in Belgien vor ein Militärgericht gestellt werden. Ihm droht offenbar eine recht empfindliche Strafe für sein Vorgehen. Auch die belgische Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eingeleitet.

Entschuldigung des Ministers

Am Montag hat Belgiens scheidender Verteidigungsminister Pieter De Crem (CD&V) dem deutschen Staatssekretär für Verteidigung, Christian Schmidt seine Entschuldigung für den Vorfall angeboten.

De Crem traf seinen deutschen Amtskollegen am Rande eines Treffens der EU-Verteidigungsminister in Brüssel.