Politisch neutrale Musik in Brüssels Metro

In den unterirdischen Stationen der Metro und der Straßenbahn in Brüssel ist keine französisch- oder niederländischsprachige Musik mehr zu hören. Die regionale Nahverkehrsgesellschaft will so sprachtechnischen Konflikten im zweisprachigen Brüssel vorbeugen.

Die Playlist der Musikbeschallung in den Brüsseler U-Bahnstationen von Metro und Tram bietet ab sofort nur noch Songs und Lieder in Englisch, Spanisch oder Italienisch. Damit will die regionale Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB politisch motivierten Konflikten in der zweisprachigen Hauptstadt Belgiens und der Europäischen Union vorbeugen.

Im April dieses Jahres testete die Gesellschaft in den 69 Untergrundbahnhöfen der Stadt eine international abgestimmte Hitliste, auf der ab und zu auch Lieder in französischer Sprache zu hören waren.

Sofort beklagten niederländischsprachige Fahrgäste, dass keine Lieder in ihrer Muttersprache in der Musikzusammenstellung zu hören waren.

Die Verantwortlichen der Nahverkehrsgesellschaft reagierten sofort und entschieden, in Zukunft weder französischsprachige Lieder - auch wenn sie aus Frankreich kommen, noch niederländischsprachige Songs in ihren Bahnhöfen zu spielen. Um keine politisch motivierten Diskussionen führen zu müssen, ist die Playlist ab sofort neutraler, sprich für belgische und Brüsseler Verhältnisse "politisch korrekter“ zusammengestellt: 70 % englisch, 15 % italienisch und 15 % spanisch.

Dies soll, so die Nahverkehrs-DJ’s, keine Probleme mit sich bringen. Also, in Zukunft keine flämischen Popsongs von Clouseau oder K3 mehr, aber auch keine französischen Chansons von Claude François oder Zaz. Dafür aber mehr Lady Gaga oder Kings of Leon. Abends erklingt ohnehin nur instrumentale klassische Musik. Die ist politisch so neutral, da kann keiner protestieren. Und die meisten lichtscheuen Gestalten in der U-Bahn meiden solche Klänge ohnehin zumeist.