Brammertz: "Opfer haben lange gewartet"

Der belgische UNO-Chefankläger Serge Brammertz (Foto) begrüßte am Donnerstag die Festnahme des mutmaßlichen serbischen Massenmörders Ratko Mladic. Er rechnet damit, dass es noch einige Monate dauern werde, bevor der Serbier vor den Richter des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das frühere Jugoslawien in Den Haag gebracht werden könne.

Es sei ein besonders bedeutender Tag, sagte Brammertz in einem Gespräch mit dem VRT-Radio. "Es hat in der Tat 17 Jahre gedauert, bis er verhaftet werden konnte. Wir denken vor allem an die Opfer, die so lange haben warten müssen."

Nach seiner Vorgängerin Carla Del Ponte war Brammertz der Mann, der die serbische Führung jahrelang zu größeren Anstrengungen bei der Suche nach Mladic (kleines Foto) gedrängt hatte: "Heute bedanken wir uns öffentlich bei den serbischen Behörden und warten jetzt auf seine Ankunft in Den Haag." Bevor es soweit ist, muss jedoch noch ein Richter in der serbischen Hauptstadt Belgrad über das Los von Mladic entscheiden. Danach hat der Angeklagte noch einige Tage, um in Berufung zu gehen. Brammertz rechnet damit, dass Mladic frühestens Anfang nächster Woche in Den Haag erscheinen werde.

Danach wird es noch eine Weile dauern, bis ihm der Prozess gemacht werden kann. "Das Probleem liegt nicht bei der Staatsanwaltschaft", weiß Brammertz, "sonder darin, dass Mladic das Recht hat, seine Verteidiung vorzubereiten." Dafür muss seine Verteidigung die umfangreiche Akte einsehen und das braucht Zeit. "Das wird sicher mehrere Monate in Anspruch nehmen", so der UNO-Chefankläger.

Sobald jedoch der Prozess begonnen hat, werde es ihm zufolge schnell gehen. "Die Beweismittel, die wir in diesem Fall vorlegen, sind Beweise, die schon in der Vergangenheit in anderen Fällen vor den Richter gebracht wurden."

Van Rompuy: "Meilenstein für Serbien und die internationale Gerechtigkeit"

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy (kleines Foto) hat den serbischen Präsidenten Boris Tadic zur Verhaftung des früheren bosnischen Serbengenerals Ratko Mladic beglückwünscht.

Laut Van Rompuy sei die Festnahme von Mladic ein Meilenstein für Serbien und die internationale Gerechtigkeit.

"Ich denke, dass es vor allem dem Gerechtigkeitssgefühl der Menschen in und außerhalb Serbiens gut tut, dass man endlich neben Karadcic nun auch Mladic festgenommen hat. Die Festnahme von Mladic war eine Voraussetzung. Eigentlich musste die serbische Regierung beweisen, dass sie alle Anstrengungen unternimmt, um ihn zu finden. Jetzt haben die Serben auch ein Ergebnis und das wird ein sehr wichtiges Argument für Serbiens Statut als EU-Beitrittskandidat sein."