Dexia soll schneller umstrukturiert werden

Der vom Staat gestützte belgisch-französische Geldkonzern Dexia wird seinen Verkauf von nicht-strategischer Vermögensmasse beschleunigen und dafür einen möglichen Verlust von 3,6 Milliarden Euro im zweiten Quartel hinnehmen müssen. An der Börse wurde der Handel mit Dexia-Aktien vorübergehend unterbrochen. Nach der Wiederaufnahme des Handels ist der Kurs leicht gestiegen.

Um 10.32 Uhr war der Handel mit Dexia-Banken vorübergehend unterbrochen worden. Am Freitagvormittag war der Vorstand von Dexia zusammengekommen.

Die vom Staat gestützte Dexia geht also auf die dringende Bitte der EU-Kommission ein, sich schneller von nicht strategischen Vermögenswerten, das heißt von risikobehafteten Geschäften zu trennen. Dexia hat 2008 Subventionen von den Niederlanden, Belgien und Luxemburg erhalten. Die EU-Kommission hatte damals im Gegenzug dazu eine "Gesundschrumpfung" verlangt.

Laut EU-Kommission sei dieser Prozess zu langsam erfolgt. Dexia hat sich deshalb nun entschieden, die Operation zu beschleunigen, indem sie schneller als geplant seine Risikoposten, also Risikopapiere abbaut. Das kündigte Jean-Luc Dehaene (kleines Foto) im Namen des Vorstandes an. Dies werde das Ergebnis im zweiten Quartal (April-Mai-Juni) mit 3,6 Milliarden Euro belasten, teilte Dexia am Freitag in Brüssel noch mit.

Dexia weiß jetzt schon, dass es dadurch 2011 das Jahr mit roten Zahlen beschließen wird. In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat Dexia noch 69 Millionen Euro Gewinne verbucht.

Der Handel auf Dexia-Aktien wurde vorübergehend unterbrochen, um zu vermeiden, dass der Kurs in den Keller sackt. Am Freitagmorgen machten nämlich Gerüchte über Dexia die Runde. Gegen 13.40 Uhr wurde der Handel mit Dexia-Aktien wieder aufgenommen. Der Aktienkurs stieg nach anfänglichem Zögern um rund 7 Prozent. Die Aktionäre scheinen erleichtert zu sein, dass Dexia sich für den schnellen Schmerz entschieden hat.

Experten vermuten, dass Dexia in diesem Jahr insgesamt einen Verlust von 2 bis 3 Milliarden einstecken muss. Dexia selbst ist sich sicher, dass der Verlust nicht so groß ausfallen werde. "Die Gruppe hat einen gesunden Kapitalstock aufgebaut. Damit kann sie ihre finanzielle Umstrukturierung beschleunigen", heißt es bei Dexia. Eine Kapitalaufstockung sei laut Bank nicht nötig. Die Bank fühle sich nach Fortschritten im operativen Geschäft und dem bereits erfolgten Abbau von Risikopapieren stark genug, weitere Papiere verlustträchtig loszuwerden.

Die belgische und die französische Regierung unterstützten den von Dexia angekündigten Plan. Das hat der belgische Finanzminister Didier Reynders (MR) verkündet. Reynders zufolge gehe der Plan in die richtige Richtung.