Skandal? Jan Fabres "Pietàs" in Venedig

Die 54. Kunstbienale von Venedig ist noch nicht eröffnet und schon liegt ein erster Skandal vor. Und für den sorgt der flämische Künstler Jan Fabre mit einer Reihe Plastiken unter dem Titel "Pietàs".

Der flämische Künstler und Bildhauer Jan Fabre stellt bei der diesjährigen Bienale von Venedig eine Reihe Plastiken aus, die unter dem Titel "Pietàs“ deutlich an Skulpturen Michelangelos angelehnt sind.

Doch die aus Marmor gefertigte Plastik "Pietà“ Fabres sorgt für einen handfesten Skandal, denn in seiner Interpretation von Michelangelos Werk gab er Marias Antlitz das Aussehen eines Totenkopfs und den leblosen Körper, den sie in ihren Armen hält, ist ein Selbstbildnis des Künstlers. Zudem hält dieser Jan Fabre in seinen Händen einige Gehirne.
 

Nur wenige Tage vor der Eröffnung der Kunstbienale in Venedig, die am 1. Juni stattfindet, schreibt sich die italienische Presse die Finger wund und ist in heiße Diskussionen verfallen.

Dabei scheiden sich die Geister. Für die einen ist Fabres Werk Blasphemie und für die anderen ein genialer Wurf.

Insgesamt umfasst die Reihe Plastiken von Jan Fabre in Venedig fünf Skulpturen, die allesamt in Carrara-Marmor gehauen wurden.

Diese Bildhauereien stehen auf einem goldfarbenen Podium, das die Betrachter, aus Gründen der Ehrbietung, nur auf Pantoffeln betreten dürfen.

Die "Pietàs“ von Jan Fabre sind ab dem 1. Juni und noch bis zum 15. Oktober in der Schule "Santa Maria della Misericordia“ zu sehen. Neben Jan Fabre stellen dieses Jahr auch die belgischen Künstler Angel Vergara, Koen Vanmechelen und Hans op de Beeck bei der Bienale aus.

Leben und Tod, Kunst und Symbolkraft

Für Jan Fabre ist das Werk "Pietàs“ zum Thema mütterliche Emotion entstanden. Er beruft sich dabei auf die Kunstgeschichte, in der es immer wieder um Leben, Tod und Auferstehung gegangen sei.

Die Interpretation Fabres von Michelangelos Werken steckt denn auch voller Symbolik.

Und, wie auch bei anderen Werken des flämischen Künstlers, zieren das Podium kleine Käfer, ein schon in der Antike verwendetes Symbol für Metamorphose, für die Brücke zwischen Leben und Tod.