Aktivisten zerstören Kartoffelfeld

In Wetteren bei Gent haben Aktivisten ein Versuchsfeld der Wissenschaft mit genetisch veränderten Kartoffen zestört. Rund 60 Polizisten sollten den Kartoffelacker bewachen, aber sie konnten die rund 300 Aktivisten nicht von ihrer Tat abhalten.

Aktivisten des Field Liberation Movement kletterten am Sonntag über die Umzäunung eines Kartoffelackers in Wetteren, auf dem mit Unterstützung der Universität Gent Anfang Mai Kartoffeln ausgesät worden sind, die mit Genen einer peruanischen Sorte resistent gegen Schimmel sein sollen. Die Aktivisten rissen die gentechnisch veränderten Pflanzen heraus und bespritzten das Feld mit Pestiziden.

40 Menschen wurden verhaftet. Sie hatten diese Aktion vorher angekündigt. Trotzdem hatte die Polizei, die das Feld bewachen sollte, die Aktion nicht verhindern können. Inzwischen ist wieder Ruhe vor Ort eingekehrt.

"Wir werden versuchen, die 108 synthetischen Kartoffeln herauszunehmen und durch andere Kartoffeln zu ersetzen", hatte ein Aktivist zuvor angekündigt.

Am Sontagvormittag hatte eine Gegendemonstration mit rund 200 Wissenschaftlern gegen die geplante Zerstörung der Pflanzen stattgefunden. Anwesend waren unter anderem auch Geert Angenon, Professor der Freien Universität (VUB). "Inakzeptabel", betonte er. "Das ist wissenschaftliche Forschung. Wir fürchten, dass derartige Versuche in Zukunft unmöglich werden. Testfelder sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Forschung."

Professoren und Forscher gingen auch zum Lager der Aktivisten und diskutierten mit einem Biobauern. "Unsere Ziele sind letztlich ähnlich in dem, was wir erreichen wollen", hieß es.

Die Aktivisten werfen den Wissenschaflern jedoch vor, von der Lebensmittelindustrie abhängig zu sein. "Ich weiß nicht. Sie verändern eine Kartoffel, um mit einem bestimmten industriellen Landwirtschaftsmodell weiterzumachen", lautete die Reaktion. Andere Bauern haben wiederum kein Problem mit dem Feld. "Ich bin nicht gegen Fortschritt."

"Erschüttert über Gewalt der Aktivisten "

Das Institut für Agrarforschung, das das Feld verwaltet, reagierte geschockt. Sprecherin Greet Riebbels bestätigte, dass das Feld nun unbrauchbar ist. Sie geht davon aus, dass die Proben völlig zerstört sind. "Wir werden nun nachsehen, welche Pestizide genau verwendet wurden. Wir machen uns auch Sorgen darüber, ob Kartoffeln mitgenommen worden sind", so Riebbels. Sie sagte, sie sei sehr enttäuscht über die Gewaltbereitschaft der Aktivisten.

Jo Bury, der Direktor des flämischen Instituts für Biotechnologie, denkt daran, juristische Schritte gegen die Aktivisten zu unternehmen. "Die Aktivisten wollten nicht mit uns diskutieren. Mit ein paar hundert Menschen haben sie das Feld zerstört. Wissenschaftlich ist das eine Katastrophe. Das hat uns ein Jahr zurückgeworfen. Wir müssen feststellen, dass die Demokratie nicht funktioniert und dass selbst die Polizei nichts gegen die Aktivisten ausrichten konnte."

Der flämische Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) bedauert die Zerstörung des Versuchsfeldes. Der Ministerpräsident unterstrich die Wichtigkeit der kritischen und unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchung. Die flämische Regierung wolle nun prüfen, welche weiteren Schritte noch eingeleitet werden können, hieß es.