Fußballkrawalle - Fehler bei der Polizei

Im Vorfeld der Fußballkrawalle in Gent und Antwerpen anlässlich verschiedener Länderspiele hat die Polizei die Lage jeweils falsch eingeschätzt. Dies brachten ein Bericht in Gent und eine Stadtratssitzung in Antwerpen zutage.

Die Polizei in Gent hat die Übertragung des Länderspiels zwischen Belgien und der Türkei auf Großbildschirm, bei dem es schon kurz nach Anpfiff zu schweren Krawallen gekommen war, falsch eingeschätzt.

Dies belegt ein interner Bericht der Polizei, den die Redaktion der flämischen Tageszeitung De Morgen einsehen konnte. Unter anderem heißt es dort, dass mit "Menschenleben gespielt worden sei“. Bei den Krawallen während und nach dem Spiel wurden dutzende Personen, auch Unbeteiligte und Polizisten, verletzt.

Im Vorfeld der Veranstaltung habe es keine Risikoanalyse gegeben, es seien nicht genügend Beamte vor Ort gewesen und ein Kommissar habe im Vorfeld über das "low profile“ seiner Untergebenen schwadroniert, wodurch polizeilich bekannte Hooligans erst auf die Veranstaltung aufmerksam geworden seien.

Filip Rasschaert, der Polizeichef von Gent sagt, dass das Bild, das De Morgen zeichnet, unvollständig ist und nur auf die negativen Aspekte verweist. Er will sich in den kommenden Tagen mit Vertretern der türkischen Gemeinschaft seiner Stadt und mit einer Abordnung der seiner Zeit diensthabenden Polizisten treffen, um den Vorfall noch einmal zu analysieren.

Gents Bürgermeister Daniël Termont (SP.A) wollte noch nicht auf den Bericht reagieren.

Sondersitzung in Antwerpen

Patrick Janssens (SP.A - Foto), der Bürgermeister von Antwerpen, hat am Dienstagabend nach einer Sondersitzung des Stadtrates zugegeben, dass er und seine Polizei die Lage vor dem Länderspiel zwischen Algerien und Marokko, nach dem es in der Turnhoutse Baan im Ortsteil Borgerhout zu Zusammenstößen zwischen jugendlichen Einwanderer unter einander und mit der Polizei gekommen war, falsch eingeschätzt haben.

Janssens sagte, dass die Polizei hervorragend gearbeitet habe, was auch entsprechende Berichte bestätigten, doch habe man das Länderspiel nicht als Risikospiel betrachtet, was im Nachhinein als Fehler erkannt wurde.

Die 30 bei den Krawallen verhafteten Personen werden alle gerichtlich verfolgt und stehen derzeit unter Hausarrest. Der Vorschlag, an der neuralgischen Turnhoutse Baan eine mobile Polizeiwache einzurichten, wurde vom Stadtrat verworfen.