Auf Entdeckungsreise im Tal der Könige

„Mama, ich möchte Ägypter oder Archäologe werden.“ So oder ähnlich, lautet der Wunsch vieler Kinder, die aus der Ausstellung "TUTANCHAMUN, sein Grab und die Schätze" im Palast 2 auf dem Brüsseler Heizelgelände kommen. Die Originale sind im Museum in Kairo. In dieser Ausstellung sind die Repliken zu sehen, dafür kann man aber ganz nahe herangehen.

Die Kinder erzählen wild durcheinander von den vielen Schätzen, die sie gesehen haben, von den drei Grabkammern und vom Pharao, dem altägyptischen König, der schon mit 9 Jahren gekrönt wurde, von 1332 bis 1323 vor Christus regierte und nicht älter als 19 Jahre wurde.

„Er ist wohl der bekannteste Pharao, weil sein Grab 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter nahezu unversehrt im Tal der Könige entdeckt wurde“, klingt es aus den Audioführern der Erwachsenen auf Deutsch. Aus den Audioführern extra für Kinder muss das wohl so ähnlich klingen. Eine französische, eine niederländische, eine englische und eine spanische Version des Audiotextes gibt es übrigens auch.

Die angenehme Stimme aus dem Audioführer erzählt von den reichhaltigen Mengen kostbarer Grabbeigaben, die Erwachsene wie Kinder „zusammen mit Carter“, der in gebrochenem Deutsch mit englischem Akzent spricht, entdecken.

Zunächst leiten jedoch mehrere Kurzfilme in die Geschichte des Pharaos, seine Heirat mit seiner Halbschwester Anchesenamun, sein mysteriöser früher Tod vor über 3.000 Jahren und die Suche nach dem Grab ein. Wie im Kino finden die Kleinen, und auch die Erwachsenen sind froh über ein Auffrischung der geschichtlichen Zusammenhänge.

Dann tauchen Große und Kleine in die Welt des Archäologen ein. Jetzt wird es spannend! Im Geiste wird gegraben und gesucht. Nach sieben Jahren ununterbrochener Grabungen entdeckt Howard Carter am 4. November 1922 das Grab von Tutanchamun, das 3.300 Jahre unentdeckt blieb. Carter wartet, bis Lord Carnarvon aus dem Ausland in Ägypten eintrifft. Der Lord finanziert die Grabungen. Dann werden Treppen bloßgelegt, der Gang zum Grab freigeschaufelt und Carter und sein Team machen eine kleine Öffnung in die zweite versiegelte Tür. Mit einer Kerze versucht er etwas zu erkennen, die Besucher auch. Insbesondere bei den kleinen Besuchern bleiben die Münder offen stehen, die Augen werden immer größer. Staunen, auch bei den Erwachsenen: Eine exakte Abbildung von damals ist zu erkennen. Hier sind wohl noch keine Grabräuber gewesen. Kaum etwas ist offenbar damals aus den drei Grabkammern entwendet worden.

Genau wie damals sind die nachgebildeten Schätze 1 zu 1 in der ersten Kammer, dem Vorraum mit Beigaben (großes Foto oben), zu sehen, zum Beispiel der Thron (kleines Foto), die Kisten - Schränke gab es damals noch keine –, eine Wächterstatue, helle ovale Behälter, in denen offenbar Nahrungsmittel konserviert wurden für die Reise des Pharaos ins Jenseits und der Streitwagen. Welch immensen Fund Carter gemacht hatte und welch große Arbeit vor ihm lag, wird noch deutlicher mit der Rekonstruktion der Sargkammer selbst, in dem Moment als Carter den Sarg aus dem Sarkophag holt. Schweres Hebegerät war notwendig, um die schwere äußere Kiste aus dem Sarkophag zu heben. Das Team von Carter kämpfte zudem mit Hitze und Staub.

Die Mumie des Pharaos Tutanchamun lag in drei Särgen, die ineinander verschachtelt waren. Bemerkenswert auch, der innere Sarg aus massivem Gold wiegt 110, 4 Kilogramm. Das Berühmteste aber war wohl die glänzende Goldmaske des Tutanchamun. Die Goldmaske wiegt 11 Kilo und lag auf dem Gesicht der umwickelten Mumie.

Diese goldene Maske (Foto) ist zwei Mal in der Ausstellung zu sehen: Erst wie sie gefunden wurde, auf der Mumie des Pharaos, zwischen anderen Objekten wie Juwelen und später noch einmal einzeln wie im Ägyptischen Museum, also einmal im archäologischen Kontext und das andere Mal als Kunstwerk, was natürlich nie die Absicht des Künstlers war als er die Maske schuf.

"Gold, überall das Glitzern des Goldes"

„Gold, überall das Glitzern des Goldes.“ Mit diesen Worten soll Carter seine Entdeckung des Jahrhunderts beschrieben haben. Und in der Tat glitzert und glänzt es vor den Augen des Besuchers, vielleicht sogar ein bisschen zu sehr für diejenigen, die die Originalschätze aus dem Grab von Tutanchamun bereits im Museum in Kairo gesehen haben.

In der Ausstellung gibt es nur Repliken zu sehen, aber dafür sind sie zum Greifen nahe, denn viele Gegenstände stehen einmal nicht hinter Vitrinen.

Nach den Grabkammern kann man übrigens auch viele Objekte aus dem Grab einzeln bewundern. Sie sind ausgestellt wie im Museum. Die Sandalen von Tutanchamun sind zu sehen oder trompetenähnliche Blechblasinstrumente, die so genannten „Scheneb“ und verschiedene Kopfstützen aus unterschiedlichen Materialien – „die sind doch unbequem“, so die Bemerkung eines Kindes. Auch ein kleiner Sitz aus Ebenholz mit eingelassenem Elfenbein steht da. Er erinnert daran, dass Tutanchamun noch ein Kind war, als er den Thron bestieg. Und das ist wohl, was auch schon Sechsjährige neben den vielen glänzenden Schätzen an der Geschichte besonders beeindruckt.

Die Ausstellung "TUTANCHAMUN, sein Grab und die Schätze" auf dem Brüsseler Expogelände Heizel läuft noch bis zum 06. November 2011.

                                                                                                                                                                                                   Uta Neumann