Charleroi macht Zaventem Konkurrenz

Auf dem Flughafen von Charleroi, Brussels South, werden am heutigen Montag vier neue Flugsteige eröffnet. Der wallonische Minister für Haushalt und Flughafenpolitik, André Antoine (CDH), hat die Gates um 11 Uhr zusammen mit Miss Belgien, Justine De Jonckheere, eingeweiht.

Den Flughafen von Charleroi gibt es schon seit 20 Jahren. Er hat sich inzwischen zum größten Konkurrenten des Brüsseler Flughafens von Zaventem entwickelt.

"Der Flughafen von Charleroi fertigt rund 5 Millionen Passagiere im Jahr ab und hat jüngst einen weiteren Terminal eingeweiht, um weitere 5 Millionen Passagiere aufnehmen zu können. Charleroi wird also ein ernst zu nehmender Konkurrent für Zaventem", sagt Professor Eddy Van de Voorde, Volkswirt für das Flugwesen an der Universität von Antwerpen, in der Frühsendung des VRT-Radios.

"In Zaventem fertigt man rund 17 bis 18 Millionen Passagiere ab. Der Unterschied ist also noch groß, aber die Konkurrenz wächst und dieser Tatsache ist man sich auch in Zaventem bewusst. Zaventem versucht, die wichtigsten Kunden zu halten, aber Jetair Fly hat zum Beispiel 3 Flugzeuge in Charleroi positioniert und das sind drei Flugzeuge, die nicht von Zaventem aus fliegen."

"Ein zweiter Fakt, der schon seit Jahren eine große Rolle spielt, sind die Klagen Zaventems gegen Charleroi und gegen die Fluggesellschaft Ryanair wegen vermeintlicher Wettbewerbsverzerrung ." Der Flughafen von Charleroi ist fast vollständig von Ryanair abhängig. 2008 war der Gewinn von Charleroi zu 86 Prozent der Verdienst von Ryanair. Seither ist der Anteil auf etwas mehr als 80 Prozent zurückgegangen.

"Der Anteil, den Ryanair am Gewinn trägt, bleibt jedoch hoch. In diesem Sommer sind 13 neue Urlaubsziele hinzu gekommen und die Mehrzahl geht auf das Konto von Ryanair. Es ist eine zielgerichtete Strategie von Ryanair, um dominanter Spieler auf einem Flughafen zu sein, denn dann kann man dem Flughafen eigene Auflagen machen."

"Wir gehen davon aus, dass das Wachstum von Ryanair langsamer wird. Es wird noch Wachstum geben, aber weniger als in den vergangenen Jahren. Das ist die normale Strategie von Ryanair. Die Gesellschaft sucht stets neue Bestimmungen in der Nähe von großen Flughäfen, um diesen Konkurrenz zu machen. In Europa sind neue Möglichkeiten weitestgehend ausgeschöpft. Ryanair weitet nun ihren Radius aus. Die Fluggesellschaft fliegt zum Beispiel nun auch Gran Canaria an. Das heißt aber auch, dass sie ihre Strategie verändern muss, denn das Wachstum ist fast am Ende."