"Alte Atomkraftwerke länger am Netz lassen"

Die Energieaufsichtsbehörde Creg rät Belgien, die ältesten Atomreaktoren über 2015 hinaus am Netz zu lassen. Creg befürchtet, dass die Stromversorgung in unserem Land sonst nicht ausreichend gewährleistet werden könne. Laut dem Energieminister Paul Magnette sei der Aufschub des Atomausstiegs die falsche Lösung.

2003 wurde entschieden, die ältesten Reaktoren der Atomkraftwerke in unserem Land gegen 2015 abzuschalten. Die Regierung Leterme wollte das Gesetz abändern, um die Kraftwerke länger am Netz zu lassen. Aufgrund des Falls der Regierung kam es jedoch nicht mehr dazu.

Der Atomausstieg wird von verschiedenen Seiten kritisiert. Auch die Energieaufsichtsbehörde Creg hält den Ausstieg der ältesten Reaktoren für zu früh und warnt vor einem drohenden Mangel in der Stromversorgung. Es werde zu wenig in neue Elektrizitätswerke investiert. Laut der Aufsichtsbehörde würden neue Initiativen das Stromproblem nämlich erst frühestens 2016 lösen können.

"Die direkte Folge ist ein erhöhtes Risiko, dass Belgien nicht in der Lage sein wird, den eigenen Bedarf zu decken und dass unsere Abhängigkeit von den Nachbarn (durch Stromimporte) zunehmen wird", so die Behörde Creg. Creg schlägt deshalb vor, den Atomausstieg der ältesten Reaktoren für einige Jahre zu verschieben, zum Beispiel auf 2016-2017.

Energieminister Magnette hält Aufschub für falsch

Energieminister Paul Magnette (PS) relativiert die Ergebnisse von  Creg. "Das ist nicht wirklich neu. Wir wussten doch, dass Belgien ein Nettoimporteur von Strom ist", reagiert Magnette. Magnette zufolge sei der Aufschub des Ausstiegs alter Atomkraftwerke die "schlechteste Lösung". Er gibt zu, dass wichtige Investitionen nötig seien. Der Minister plädiert  unter anderem für den Entwurf eines umfangreichen Investitionsplans in Zusammenarbeit mit den verschiedenen zuständigen Stellen des Landes.

Auch der Grünen-Abgeordnete Kristof Calvo von Groen! sagt, dass die Probleme, die Creg anspricht, nicht neu seien. "Sie liegen schon eine Zeit lang auf dem Tisch des Energieministers. Auch eventuelle Lösungen seien bekannt: In Energiesparmaßnahmen investieren, eine öffentliche Ausschreibung für ein neues Werk und kürzere Verfahren. Weniger Schwierigkeiten für Investoren und dann schaffen wir das. Wir müssen aber jetzt damit anfangen."