Ghislenghien: Anderes Urteil in der Berufung

In Mons scheint das Berufungsgericht ganz anders zu urteilen als die Richter in erster Instanz im Prozess über die Gaskatrastrophe in Ghislenghien. Bei der Katastrophe im Juli 2004 wurden 24 Menschen getötet und 132 verletzt. Das umfangreiche Urteil wird am heutigen Dientag vorgelesen und dauert noch bis spät in den Abend hinein an.

In erster Instanz wurden von den 14 Angeklagten nur 3 für schuldig befunden: Das Bauunternehmen Tramo, der Bauleiter und der Architekt. Der Hauptangeklagte, der Gasnetzbetreiber Fluxys und zehn weitere Angeklagte waren frei gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch gegen das Urteil in Berufung gegangen.

Tramo war in erster Instanz zu einem Bußgeld von 165.000 Euro mit Zahlungsaufschub verurteilt worden. In Berufung wird das Unternehmen nun frei gesprochen. Laut dem Berufungsgericht waren die Klagen gegen das Unternehmen nicht begründet.

Vier andere Angeklagte, die in erster Instanz frei gesprochen wurden, sind in Berufung nun doch verurteilt worden. Es handelt sich um zwei Menschen des Bauunternehmens und um zwei Sicherheitskoordinatoren.

Viele Opfer sind beim letzten Prozesstag anwesend. Die Mehrzahl hofft auf einen Schadensersatz. "Wenn wir nur das herausbekommen, was wir bereits reingesteckt haben, ist das gut", sagt Opfer Anne Van den Storm. "Sie können uns doch nicht mehr so machen, wie wir waren. Wir sind bis ans Ende unseres Lebens gebranntmarkt und damit müssen wir lernen zu leben. Die Genesung kommt nicht mit diesem Schadensersatz, aber er soll uns helfen, ein besseres Leben führen zu können und mehr Komfort in diesem Körper zu haben. Außerdem ist das Geld für alles, was wir in unserem Leben verändern mussten."

Am 30. Juli 2004 war im Industriegebiet des Städtchens Ghislenghien, etwa 40 Kilometer südwestlich von Brüssel, beim Bau einer Fabrik eine Gasleitung explodiert. 24 Menschen kamen dabei ums Leben und 132 wurden verletzt.