Zugpannen und dann noch so eine Hitze

Wegen eines Schadens an einer Oberleitung in Oostkamp (Provinz Westflandern) saßen am Montagabend tausende Fahrgäste in Zügen, die von der Küste kamen, stundenlang fest. Hunderte Reisende strandeten am Bahnhof von Gent-Sint-Pieters. Zu allem Überfluss war auf einer Ausweichstrecke auch noch eine E-Lok mit einem technischen Defekt liegen geblieben.

Die Stadt Gent rief gegen 21.45 Uhr den lokalen Katastrophenplan aus, weil zu diesem Zeitpunkt vier Züge mit 500 bis 1.000 Fahrgästen an Bord in Richtung Gent-Sint-Pieters unterwegs waren.

"Bei den Zügen handelte es sich vor allem um ältere Waggons ohne Aircondition", erklärt Bürgermeister Daniël Termont (SP.A, Foto). Selbst die neuen Waggons mit Klimaanlage waren stundenlang ohne Strom blockiert. Dadurch stiegen die Temperaturen in den Abteilen auf bis zu 45 Grad. Außerdem schreibt eine Regel der Bahn in solchen Situationen vor, dass die Türen aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben müssen.

Drei Kinder mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Kind darunter hatte ernsthafte Austrocknungserscheinungen.

Der Zivilschutz, das Rote Kreuz, die Bahnpolizei und zwölf Einsatzteams der Polizei vor Ort verteilten den ganzen Abend Wasserbeutel an die gestrandeten Fahrgäste. Der Krisenstab wurde durch den Einsatz der Abteilungen des Gouverneurs noch  verstärkt.

Auch in mehreren anderen Bahnhöfen saßen die Reisenden fest. Probleme hatten vor allem die Bahnhöfe an der Küste. Auch hier verteilten die Notdienste Wasser. In Blankenberge musste ein Dutzend Menschen ins Krankenhaus gebracht werden, weil ihnen unwohl geworden war.

Krisennummer und bessere Koordinierung nötig

Der Genter Bürgermeister hofft, dass die belgische Bahn NMBS künftig besser kommuniziert und koordiniert. Die Verwirrung über die Probleme bei der Bahn führten dazu, dass bei den Notnummern hunderte Anrufe von besorgten Eltern eingingen.

"Niemand hatte einen Überblick über die Situation", so Termont. Letztlich stellte sich heraus, dass 'traffic control' der einzige Dienst war, der sich ein Bild machen und uns informieren konnte."

Außerdem gibt es offenbar keinerlei Notfallnummer für Reisende bei der Bahn. Der Interessenverband der Bahnreisenden fordert nun nach diesem Vorfall so eine Notfallnummer.

Der Bürgermeister von Gent hofft, dass die Bahn aus diesem Vorfall ihre Lehren zieht. "Trotz aller Anstrengungen verschiedener Personen, muss die Bahn besser kommunizieren. Außerdem muss bei solchen Problemen besser koordiniert werden.

Der Abgeordnete Stefaan Van Hecke von den flämischen Grünen Groen! fordert nach dem Chaos vom Montagabend den Rücktritt der drei Bahnchefs. Er sagt, diese seien nicht mehr in der Lage, den Bahnverkehr ordnungsgemäß und kundenfreundlich abzuwickeln.