Vertrauen der Märkte in Belgien angeknackst

Die europäische Schuldenkrise könnte unser Land wegen des Zinsunterschieds auf Anleihen zwischen den Mitgliedstaaten bis zu 200 Millionen Euro kosten. Das hat der scheidende belgische Finanzminister, Didier Reynders (MR), gesagt. Am Montagabend hatte er mit seinen Kollegen von der Eurozone zusammengesessen und sich über die Eurokrise beraten.

Der Unterschied zwischen Zinsen auf belgische und deutsche Anleihen, also der so genannte Spread, ist am Montag drastisch größer geworden. Die Bundesanleihen gelten derzeit im Euroraum wohl als sicherste Anlage und werden mit rund 2,5 Prozent verzinst. Von Belgien verlangen die Investoren teilweise etwa 4,28 Prozent.

Das bedeutet, dass das Vertrauen der Finanzmärkte in Belgien angeknackst ist. Je größer der Spread ist, desto geringer ist das Vertrauen in Belgien.

Die Zinsen, die unser Land an den Finanzmärkten für Kredite zahlen muss, steigen damit drastisch. Der Zinsunterschied auf Anleihen zwischen Belgien und unserem Land ist noch nie so hoch gewesen. Übrigens kämpft die Niederlande mit den gleichen Problemen.

Der hohe Zinsunterschied wird unser Land viel Geld kosten. "Wir werden in den nächsten Monaten jedenfalls mehr bezahlen müssen. Und wenn die Situation so bleibt, kann das die Staatskasse 100 bis 200 Millionen Euro kosten", erklärt Reynders.

"Wir müssen den Euro verteidigen und die Ausbreitung der Schuldenkrise stoppen. Das ist in unserem Interesse und im Interesse aller Länder der Eurozone. Das ist nicht ein Problem von einem oder zwei Ländern", so Reynders noch.

"Alles tun, um Euro zu retten"

Am Montagabend hatten sich die Finanzminister der Eurozone beraten. Sie wollten eigentlich über das zweite Rettungsprogramm für Griechenland sprechen. Das Treffen wurde aber vom Absturz an den europäischen Börsen überschattet.  Die Anleger befürchten ein Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien.

Nach 20 Uhr am Montagabend kamen die Finanzminister zu einer Abschlusserklärung, die recht mager ausfiel. Die Euro-Finanzminister versprachen eine Ausweitung der Möglichkeiten des derzeitigen vorläufigen Rettungsfonds. Gleichzeitig sollen die Laufzeiten von Krediten verlängert werden und die Zinsen sinken. Außerdem rechnen die Minister weiterhin mit der Teilnahme des Privatsektors bei einem zweiten Rettungsprogramm für Griechenland.

Zu den griechischen Problemen kommen jetzt auch noch die italienischen hinzu. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Italien dazu aufgerufen, einschneidende Sparmaßnahmen durchzuführen.