Polen im Bozar: "Die Kraft der Fantasie"

Mit der polnischen EU-Ratspräsidentschaft, kommt auch die polnische Kunst nach Brüssel. Die Ausstellung 'The Power of Fantasy', die Kraft der Fantasie, im Palast der Schönen Künste (Bozar), zeigt an die 200 moderne und zeitgenössische Kunstwerke aus Polen.

Die Ausstellung windet sich durch die vielen, verschachtelten Räume des Bozar, sodass man nie vorher weiß, was einen im nächsten Zimmer erwartet. Die Kunstwerke sind nicht in chronologischer Reihenfolge ausgestellt, sondern nach Themen. Jeder Raum hat sein Eigenes. Nur die Fantasie zieht sich, wie ein Faden, durch sie alle hindurch.

Polen hat eine schwere Vergangenheit durchlebt. Aufgeteilt zwischen Russland, Preußen und Österreich im 18. und 19. Jahrhundert, besetzt von den Deutschen während des zweiten Weltkriegs und anschließend von der Sowjetunion, war es lange kein unabhängiges Land. Bis es sich 1989, mit Hilfe der Solidarnosc, befreite.

Diese Vergangenheit ist mit einigen Werken aus dem 19. und früheren 20. Jahrhundert vertreten. Eines davon ist Bronislaw Wojciech Linkes Ölgemälde einer Busfahrt der Verrückten durch eine feindselige Landschaft, das das Polen des zweiten Weltkriegs symbolisieren soll. Ein anderes ist Zbigniew Rybczynskis 'Tango', das 1983 einen Oskar für den besten animierten Kurzfilm gewann.

Der Hauptteil der Ausstellung gilt aber den Künstlern, die zwar noch in Sowjetzeiten aufwuchsen, ihre Kariere jedoch in einem freien und demokratischen Polen begannen. Pawel Althamer, Miroslaw Balka, Katarzyna Kozyra und Wilhelm Sasnal sind nur einige der über 30 Künstler, die zur Zeit im Bozar ausgestellt werden.

'Die Kunst macht die Vergangenheit gegenwärtig'

Die Kuratorin der Ausstellung, Zofia Machnicka, betont die große Vielfältigkeit der polnischen Kunst. Sie möchte nicht, dass die Werke nur als Bewältigung der Vergangenheit interpretiert werden. Vielmehr als das, verbinden sie die Vergangenheit mit der Gegenwart.

So ist zum Beispiel Jaroslav Kozakiewiczs ironischer Science-Fiction Kurzfilm 'Die Natur um zu /für das Leben': Auf den grauen Plattenbauten, aus den 1960er bis 1980er Jahren, sind mit den steigenden Temperaturen des Klimawandels Pilze gewachsen, die nun gegen die Umweltverschmutzung helfen und den Bewohnern sogar als Nahrungszusatz dienen…

"Man kann sagen, dass die Künstler Probleme mit ihrer nationalen Identität verarbeiten. Aber das ist nur eine von vielen Betrachtungsweisen ihrer Kunst. Die Werke drücken auch universelle Dinge aus. Zum Beispiel die Absurdität des alltäglichen Lebens", so Sofia Machnicka. "Polnische Kunst hat sich immer mit der Vergangenheit beschäftigt, aber nicht um die Themen der Vergangenheit wiederzukäuen.Die Kunst macht die Vergangenheit gegenwärtig. Sie gebraucht die Vergangenheit, um Wahrheiten der Gegenwart ans Licht zu bringen".

Vielfältige, kritische Kunst

Wie verschieden die zeitgenössische polnische Kunst ist, sieht man schon allein an den vielen verschiedenen Medien, die die Künstler verwendet haben. Von Ölgemälden und Skizzen, über Fotographien, Filme, animierte und statische Installationen, Skulpturen, Graffitis, bis hin zu Performances ist alles in der Ausstellung vertreten.

"Die Künstler, die hier ausgestellt sind, kritisieren das Leben. Sie machen kritische Kunst. Und die muss nicht immer nur politisch sein. Es geht genauso sehr um soziale Probleme, den Menschen, um Humanismus, oder um Umweltschutz", sagte Sofia Machnicka. "Die Künstler fühlen sich verantwortlich für die Gesellschaft".

'Seltsame Gärten', 'Gewöhnliche Fantasien', 'Block-Scapes', 'Vergangenes gegenwärtig gemacht', 'Rebellen und Märtyrer', 'Vertrauensvolle Materialien', 'Sinn im Verrückten', 'Wir könnten Helden sein' und 'Die gemeinsame Aufgabe' heißen die Räume, die nicht nur ein Stück polnische Geschichte näher bringen, sondern auch die das heutige Polen in seiner bunten Vielfalt zeigen, wie es sich mit sich selbst und der Welt beschäftigt.

Die Ausstellung ‚The Power of Fantasy‘ im Brüsseler Palast der Schönen Künste läuft noch bis zum 18. September 2011. Andere kulturelle Veranstaltungen um Polen sind auf der Website der polnischen Botschaft zu finden. http://www.culturepolonaise.eu