Ermordung André Cools' jährt sich zum 20. Mal

Vor genau zwanzig Jahren, am 18. Juli 1991, wurde der wallonische Sozialist André Cools, ehemaliger Minister in regionalen und föderalen Regierungen, in Lüttich, auf offener Straße erschossen. Seine damalige Gefährtin wurde bei diesem Anschlag schwer verletzt.
André Cools

Cools war Haushaltsminister, Vize-Premierminister, Chef der sozialistischen Partei (PS), Präsident des Wallonischen Regionalrates und Regierungsminister der Wallonischen Region gewesen, bevor er sich im April 1991, kurz vor seiner Ermordung politisch weitgehend zurückzog, um sich auf seine Kommune Flémalle zu konzentrieren und Liege und Umgebung wirtschaftlich zu helfen.

Cools war in einer politisch aktiven Familie groß geworden. Er war so schon immer politisch sehr aktiv gewesen und hatte sich viele Freunde, aber auch Feinde gemacht.

Dass sie Ermittlungen zum Mordfall über zwölf Jahre dauern würden, ahnte damals niemand. Fünf Jahre dauerte es allein, die beiden Tunesischen Auftragsmörder zu fassen, die angestellt worden waren um André Cools zu töten. Die Auftragsgeber selbst ausfindig zu machen, gestaltete sich noch als viel schwieriger. Hauptverdächtiger wurde bald Alain Van der Biest, ein Cools sehr nahe stehender, ehemaliger PS-Minister. Ein Jahr nach dem Morde wurde die parlamentarische Immunität Van der Biests aufgehoben und gegen ihn wurde intensiv ermittelt.

Auch gab es einen ‚Krieg der Gerichte‘, eines davon in Lüttich, das andere in der Provinz Luxemburg. Sie beschuldigten sich gegenseitig, Informationen an die Presse weiterzugeben und informierten einander daraufhin nicht mehr über das, was sie jeweils herausgefunden hatten.

Skandale und Mord ohne bewiesene Querverbindung

Die im Prozess aufgedeckten Skandale, unter anderem der Korruptionsfall um die Anschaffung von Augusta-Hubschraubern für Polizei und Armee und der Bestechungsskandal um die staatliche Versicherungsgesellschaft SMAP, konnten nie mit dem Mord an Andrée Cools in Zusammenhang gebracht werden.

Von einem anonymen Zeugen werden 1996 acht Mitverantwortliche für den Mord angezeigt. Darunter waren Carlo Todarello, Richard Taxquet, Pino di Mauro, Cosimo Solazzo, Luigi Contrino, Silvio di Benedictis, Mauro di Santis und Dominico Castellino. Am 17. März 2002, kurz vor dem Beginn des Prozesses, nimmt sich Alain Van der Biest das Leben. Seine Schuld ist bis heute nicht bewiesen.

Als der Prozess endlich beginnt, werden die acht übriggebliebenen Angeklagten zu Haftstrafen von fünf bis zwanzig Jahren verurteilt. Taxquet ist, als Organisator des Mordes, unter denen, die zwanzig Jahre bekamen. Die meisten der Verurteilten sind inzwischen wieder frei. Cosimo Solazzo konnte niemals gefasst werden. Die wahren Gründe für die Ermordung André Cools bleiben weiterhin nicht vollkommen klar.