Keine "gewöhnliche" königliche Ansprache

König Albert II. hat mit seiner diesjährigen Rede vor dem belgischen Nationalfeiertag Freund und Feind überrascht. Noch nie war der Monarch in seinen Ausführungen so deutlich und so harsch. Beobachter und Kenner des Königshauses stellen an Hand seiner Körpersprache fest, dass er richtig sauer war.

Der politische Zustand seines Landes bereitet König Albert II. Sorgen. Dies kam bei seiner Rede zum Nationalfeiertag, die am Mittwochmittag von den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern in Belgien ausgestrahlt wurde, deutlich hervor.

Die beiden Staatsminister Herman De Croo (Foto) von den flämischen Liberalen Open VLD und Willy Claes, von Flanderns Sozialisten SP.A, waren sich einig darüber, dass diese königliche Rede besonders außergewöhnlich war.

Dieser Ansicht war auch der emeritierte Professor und Historiker Marc Van Den Wijngaard (Foto oben), der an Hand der Körpersprache des Monarchen feststellte, dass dieser erbost und angespannt war.

Für Van Den Wijngaard war diese Ansprache auch, im Gegensatz zu allen vorherigen Reden, besonders politisch.

Alle drei Beobachter sind ausgezeichnete Kenner des belgischen Königshauses.

Herman De Croo - ehemaliger Bundesminister und Senatsvorsitzender - sagte, dass er weder inhaltlich, noch von der Ausdruckskraft her, eine so kräftige Botschaft aus dem Munde des Monarchen gehört habe.

Nach Ansicht von Willy Claes (Foto), der ebenso entzürnt wie der Monarch war, müsse man die Rede des Königs auch zwischen den Zeilen lesen.

Eigentlich, so der frühere Nato-Generalsekretär, laute die Botschaft: "Meine Damen und Herren, denken Sie bitte auch einmal an das Land und seine Bürger.“